DRUCKEN

06.12.2017, Wien: AUVA-"Back to Life"-Award für Josef Riegler aus Texing


"Wie eine Siegerehrung beim Tennis!"

Josef Riegler arbeitete in einem landwirtschaftlichen Betrieb, als sich bei Abrissarbeiten einer Hütte ein Querbalken löste und den damals 26-Jährigen am Rücken traf. Seitdem sitzt er im Rollstuhl. Für seinen engagierten Weg zurück ins Leben, auf dem er eine zweite Karriere als Rollstuhltennis-Spieler eingeschlagen hat, wurde er am 5. Dezember 2017 bei einem Festakt im Landaus St. Pölten mit dem AUVA-"Back to Life"-Award ausgezeichnet.

NÖ Soziallandesrätin Barbara Schwarz überreichte Riegler stellvertretend für NÖ Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner die vom Mundmaler Josef Habeler neu gestaltete Trophäe, der 2016 mit dem "Back to Life"-Award ausgezeichnet worden war. In ihrer Laudatio betonte Schwarz, dass Unfallopfer plötzlich und nachhaltig aus ihrem Alltag gerissen werden. "Das Leben neu auszurichten ist eine Herausforderung, verbunden mit Risiken, aber auch Chancen, wie im Fall von Josef Riegler." Von der AUVA-Landesstelle Wien gratulierten Direktor Alexander Bernart und Vorsitzender Rudolf Silvan. "In meiner täglichen Arbeit bin ich selten so nah an unseren Versicherten wie beim "Back to Life"-Award. Ich freue mich jedes Jahr, wenn ich im Herbst die Preisträger zu Hause besuche. Selten sehe ich so unmittelbar, was von der AUVA direkt bei den Menschen ankommt und was dadurch möglich wird", sagt Bernart in seiner Begrüßungsrede. "Deswegen sei es wichtig, dafür zu sorgen, dass die AUVA auch weiterhin ihre Leistungen im vollständigen Ausmaß erbringen kann", unterstreicht Rudolf Silvan. Gerda Schilcher, Vizepräsidentin der NÖ Arbeiterkammer, und Franz Wiedersich, Direktor der Wirtschaftskammer NÖ, würdigten Riegler mit einem Wellnessurlaub und einem Warengutschein im Wert von 1.000 Euro. 

Arbeitsunfall mit 26 Jahren

Trotz sinkender Zahlen wurden in Österreich im Vorjahr 91.248 Menschen bei Arbeitsunfällen verletzt. Um sie kümmert sich die AUVA von der Akutbehandlung bis zur Rehabilitation, wenn nötig bis zur Unfallrente. Mit dem "Back to Life"-Award holt die AUVA Menschen vor den Vorhang, die mit einer beispielhaften sozialen und beruflichen Rehabilitation den Weg zurück ins Leben geschafft haben. So ein Mensch ist Josef Riegler.

Vor 16 Jahren erlitt er einen Arbeitsunfall, bei dem er sich eine Querschnittlähmung zuzog. An den Unfalltag im Sommer 2001 kann er sich noch gut erinnern. "Ich wusste gleich, dass irgendetwas nicht mehr so ist, wie es sein sollte: Obwohl mein Fuß zertrümmert war, hatte ich keine Schmerzen", erzählt Riegler. Mit dem Rettungshubschrauber wurde er ins Landesklinikum St. Pölten eingeliefert. Nach drei Wochen kam er zur Rehabilitation an den Weißen Hof nach Klosterneuburg. Hier hat sich Josef Riegler in ein neues Leben zurückgearbeitet: "Mit Höhen und Tiefen, aber zum Schluss immer mehr Höhen. Wie beim Sport sind Erfolge nie endgültig, aber Niederlagen sind es auch nicht!"

Reha: Mut zum Neustart

In den Rehabilitationszentren der AUVA werden Verunfallte ganzheitlich und nach modernsten Gesichtspunkten auf die Rückkehr in den Alltag vorbereitet. Neben der medizinischen Rehabilitation ist die soziale und berufliche Wiedereingliederung ein wichtiges Ziel. Dabei betreut die AUVA frühzeitig, kompetent und langfristig. Speziell ausgebildete Rehabilitations- und Sozialberater nehmen schon im Krankenhaus Kontakt zu den Betroffenen auf und unterstützen sie bei der Lösung gesundheitlicher, sozialer, beruflicher und finanzieller Probleme. "Eine rasche Wiedereingliederung wirkt sich sowohl in gesundheitlicher, sozialer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht positiv aus", sagt Alexander Bernart, Direktor der AUVA-Landesstelle Wien.

Nach dem Unfall verbrachte Josef Riegler ein halbes Jahr am Weißen Hof. Danach war es ihm wichtig, sich zu Hause einzurichten, sein Umfeld so zu gestalten, dass er zurechtkommt. Als er ein Jahr später zu einer Wiederholungsbehandlung an den Weißen Hof kam, absolvierte er einen Rollstuhltennis-Workshop. Riegler war sofort begeistert von diesem Sport. Nach seiner Entlassung begann er, regelmäßig zu trainieren und wurde immer besser. Als Mitglied des Österreichischen Behindertensportverbands (ÖBSV) nahm er an vielen nationalen und internationalen Turnieren teil. Drei Mal wurde er österreichischer Staatsmeister im Rollstuhltennis. Insgesamt gewann er neun Goldmedaillen.  

AUVA: Sicherheit, für Menschen im Arbeitsleben

Seit 130 Jahren begleitet die AUVA Menschen nach Arbeitsunfällen kompetent, intensiv und ergebnisorientiert. "Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen mit jährlich über 367.000 Patientinnen und Patienten über sehr viel Fachwissen und Erfahrung, wodurch eine Versorgung von höchster Qualität gewährleistet ist", erklärt Landesstellenvorsitzender Rudolf Silvan. "Eine Sozialversicherung für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten mit eigenen medizinischen Einrichtungen für Akutversorgung und Rehabilitation gibt es nur in Österreich. Mit umfassenden Versicherungsleistungen aus einer Hand zeigt die AUVA, wie Verunfallte bessere Chancen auf Heilung und eine schnelle Rückkehr in Alltag und Arbeitswelt haben", so Silvan.  

Ein zweites Leben

Seit drei Jahren trainiert Josef Riegler in der Landessportschule in St. Pölten drei bis vier Mal die Woche. Sein großes Ziel, an den Paralympics teilzunehmen, ist in den Hintergrund gerückt. "Das war eine bewusste Entscheidung. Ich bin aus dem A-Kader ausgestiegen, da es mit vielen Verpflichtungen und Einschränkungen verbunden ist. Wenn ich an allen Turnieren, Trainingslagern und Meisterschaften teilnehmen würde, wäre ich das halbe Jahr nur unterwegs", erklärt er. Jetzt geht er seinen eigenen Weg, spielt nur mehr Einzelturniere und entscheidet selbst, an welchen Turnieren er teilnimmt. Jeden Donnerstag fährt er zum Sportnachmittag auf den Weißen Hof, um andere Rollstuhlfahrer für Tennis zu begeistern.

Mit dem "Back to Life"-Award hofft er, anderen Menschen Mut zu machen: "Ich sehe das jetzt als mein zweites Leben. Es ist ein anderes Leben, aber es ist nicht schlimmer. Ich bin mir sicher, dass ich all diese Sachen ohne diesen Unfall nicht erlebt hätte. Wahrscheinlich hätte ich nicht einmal Tennis gespielt", sagt Riegler bei der Preisverleihung und bedankt sich bei der AUVA, "ohne deren Hilfe vieles in dieser Form nicht möglich gewesen wäre".