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06.12.2017, Wien: AUVA-"Back to Life"-Award für Henriett Koósz und Alexander Hanisch


Erstmals Doppel-Auszeichnung für Paar aus Wien

Henriett Koósz und Alexander Hanisch wurden im Teenageralter bei Autounfällen auf dem Weg zur Arbeit schwer verletzt und sind seither auf den Rollstuhl angewiesen. Beide haben auf ganz unterschiedlichen Wegen zurück ins Leben gefunden. Vor zwölf Jahren hat sie dieser Weg zusammengeführt. Am Mittwoch, 6. Dezember 2017 wurden sie für ihre bemerkenswerte Rehabilitation bei einem Festakt im Rathaus mit dem „Back to Life Award“ ausgezeichnet.

Mit dem „Back to Life“-Award holt die AUVA Menschen vor den Vorhang, die mit einer beispielhaften sozialen und beruflichen Rehabilitation den Weg zurück ins Leben geschafft haben. Stellvertretend für den Wiener Bürgermeister Michael Häupl überreichte der Vorsitzende des Gesundheits- und Sozialausschusses, Landtagsabgeordneter Kurt Wagner, die vom Mundmaler Josef Habeler neu gestaltete Trophäe. Auch AUVA-Obmann Stellvertreter Wolfgang Birbamer gratulierte den Preisträgern persönlich. Er betonte die hohen Standards, die die AUVA bei der Rehabilitation ihrer Versicherten ansetzt. „Das Gesetz verpflichtet uns dazu, Menschen nach Arbeitsunfällen, mit "allen geeigneten Mitteln" zu unterstützen. Gerade bei Schwerverletzten gibt uns das die Chance, ihnen trotz gesundheitlicher Einschränkungen eine gute Rückkehr ins Leben zu ermöglichen.“

Seitens der AUVA-Landesstelle Wien gratulierten Direktor Alexander Bernart und der Vorsitzende Rudolf Silvan. „Ich freue mich jedes Jahr, wenn ich im Herbst die Preisträger zu Hause besuche und unmittelbar sehen kann, welche Leistungen der AUVA direkt bei den Menschen ankommen“, sagte Bernart in seiner Begrüßungsrede. „Wir müssen sicherstellen, dass die AUVA auch weiterhin ihre Leistungen im vollständigen Ausmaß erbringen kann“, unterstrich Rudolf Silvan. Die Gewerkschaft Bau-Holz und die Wirtschaftskammer Wien stellten Anerkennungspreise zur Verfügung: einen Wellnessurlaub und Warengutscheine im Wert von 2.000 Euro.

Henriett Koósz und Alexander Hanisch verunglückten auf dem Weg zur Arbeit. Alexander Hanisch war zum Unfallzeitpunkt, im Jahr 1992,19 Jahre alt, Henriett Koósz gerade erst 17 Jahre. Auf dem Weg von Ungarn nach Österreich zur Arbeit bei der Weinlese im Oktober 1997, lief ein Reh in den PKW der Familie. Henriett wurde dabei aus dem Auto geschleudert und brach sich den zwölften Brustwirbel.

Reha: Mut zum Neustart

In den Rehabilitationszentren der AUVA ist neben der medizinischen Rehabilitation die soziale und berufliche Wiedereingliederung ein wichtiges Ziel. Speziell ausgebildete Rehabilitations- und Sozialberater nehmen so früh wie möglich Kontakt zu den Betroffenen auf und unterstützen sie bei der Lösung gesundheitlicher, sozialer, beruflicher und finanzieller Probleme. Alexander Hanisch und Henriett Koósz waren zur Rehabilitation am Weißen Hof, einem Haus der AUVA in Klosterneuburg in NÖ. „Die umfassende Beratung direkt vor Ort war enorm hilfreich“, saqt Hanisch, „noch während der Rehab konnte meine Familie den Umbau zu Hause organisieren“.

Im Fall von Alexander Hanisch war am Anfang noch unklar, ob er je wieder gehen könnte, da er keinen typischen Querschnitt hatte. „Zum Glück konnte ich für mich aber relativ bald akzeptieren, dass ich jetzt im Rollstuhl sitze und habe mich voll und ganz auf meine Zukunft konzentriert“. Bei den vielen  sportlichen Aktivitäten am Weißen Hof sah Hanisch, was trotz Rollstuhl noch alles möglich ist. Er selbst hat das Rollstuhl-Basketball für sich entdeckt und den Sport auch bis 2015 bei den Sitting Bulls, dem Rollstuhlbasketball-Team am Weißen Hof, ausgeübt. 

Karriere in IT und Sport

Nach der medizinischen und sozialen Rehabilitation standen Hanisch und Koósz vor der Frage, wie es beruflich weitergehen soll. Da er seinen Lehrberuf nicht mehr ausüben konnte, suchte Alexander Hanisch nach Alternativen. „Für mich war es wichtig, ein solides Fundament zu haben und etwas zu machen, das Sinn und Zukunft in der Wirtschaft hat und die Computerbranche hat mich interessiert.“, sagt Hanisch. Vier Jahre lang besuchte er, mit Unterstützung durch die AUVA, die Abendschule der HTL in der Spengergasse. Seit fast 19 Jahren arbeitet er nunmehr in der "prodata Rechenzentrum und Informationstechnologie GmbH" als IT- und Softwareentwickler; seit 2014 ist er geschäftsführender Gesellschafter.

Noch während ihrem ersten Aufenthalt am Weißen Hof bereitete sich die damals 17-jährige Henriett Koósz auf die Matura vor. Nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau arbeitete sie im Wiener Stadtschulrat, später in einem Unternehmen für Medizinprodukte als Kundenberaterin. 2005 wurde sie von Bekannten aus Ungarn zu einem Tennis-Wochenende eingeladen. Das Rollstuhltennis hat Koósz nachhaltig begeistert: Sie begann regelmäßig zu trainieren und nahm an vielen Turnieren teil. Um sich den Traum, 2012 an den Paralympics in London teilzunehmen zu erfüllen, musste sie ihren Brotberuf aufgeben. Durch das intensive Training litt Henriett nach den Paralympics unter einem starken Erschöpfungssyndrom, von dem sie sich lange erholen musste. Vor zwei Jahren wechselte sie zum Para-Badminton und spielt inzwischen wieder Turniere - als einzige Österreicherin. Ende November nahm sie an den Weltmeisterschaften in Südkorea teil und erreichte als eine von nur vier europäischen Para-Badminton Spielerinnen das Achtelfinale. Um sich körperlich zu schonen, entschied Koósz, nicht mehr voll ins Berufsleben einzusteigen und arbeitet nur mehr ehrenamtlich.