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14.12.2020, Wien/Bgld.: AUVA-"Back to Life"-Award Burgenland für Nurtenka Aliti aus Neusiedl/See


Patrick Aliti hatte im Alter von 21 Jahren einen tragischen Arbeitsunfall, der nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Familie für immer veränderte. Seine Mutter Nurtenka, die ihn pflegt, wird dieses Jahr mit dem AUVA-„Back to Life“-Award für das Burgenland ausgezeichnet.

Nurtenka Aliti - Preisverleihung (Bildcredit AUVA/J. Godany)Im Jahr 2019 passierten in Österreich durchschnittlich 244 Arbeitsunfälle am Tag. Hinter diesen Zahlen stecken oft schwere Schicksalsschläge, aber auch beeindruckende Wege zurück ins Leben. Das zeigt die AUVA Jahr für Jahr mit dem „Back to Life“-Award. „Pflegende Angehörige vollbringen – abseits der öffentlichen Wahrnehmung – täglich körperliche und psychische Höchstleistungen. Ich freue mich, mit Nurtenka Aliti eine Mutter vor den Vorhang zu holen, die ihrem schwer verunfallten Sohn mit ihrer Pflege durchs Leben hilft“, bedankt sich Reinhard Minixhofer, Direktor der AUVA-Landesstelle Wien, in einer persönlichen Grußbotschaft bei der Preisträgerin.

Arbeitsunfall und monatelange Ungewissheit

Der 26. Juli 2017 hätte ein Arbeitstag wie jeder andere werden sollen. Der 21-jährige Patrick Aliti war auf einer Baustelle mit Spenglerarbeiten auf dem Dach beschäftigt, als er durch eine Welllichtplatte brach und sieben Meter in die Tiefe stürzte. Umgehend wurden Rettung, Notarzt und Feuerwehr alarmiert. Da die Baustelle in der Nähe des damaligen Arbeitsplatzes von Frau Aliti war, bemerkte sie den Rettungseinsatz. Später an diesem Tag wurde sie von ihrer Chefin ins Büro geholt, die Polizei war am Telefon: „Sind sie die Mutter von Patrick? Wenn Sie Ihren Sohn noch lebend sehen möchten, müssen sie sofort ins Krankenhaus kommen!“ Nurtenka Aliti wurde ohnmächtig. Patrick überlebte, doch sein Leidensweg begann erst. Der junge Mann musste 29 Operationen über sich ergehen lassen – mit vielen Komplikationen. „Eine schlechte Nachricht jagte die nächste. Die Ungewissheit über Wochen und Monate war unerträglich“, erinnert sich die Mutter.

Mit Unterstützung der AUVA zurück ins Leben

Ihr Sohn hatte einen unglaublichen Lebenswillen. Nach 15 Monaten im Krankenhaus folgte ein weiteres Jahr im AUVA-Rehabilitationszentrum Meidling. Die AUVA sieht eine ganzheitliche, langfristige und bedarfsorientierte Betreuung von Schwerversehrten wie Patrick Aliti vor. Die Entlastung und Unterstützung der Angehörigen spielt dabei eine zentrale Rolle: „Wir leisten nach Arbeitsunfällen das Maximum für das Leben zurück zur Normalität. Ein speziell ausgebildeter AUVA-Rehabilitations- und Sozialberater besucht die Familie regelmäßig und hilft bei der Lösung gesundheitlicher, familiärer und sozialer Probleme, die so ein Schicksalsschlag unweigerlich nach sich zieht. Dazu gehört auch die finanzielle Unterstützung durch eine Unfallrente, die Herr Aliti bekommt“, erklärt Direktor Reinhard Minixhofer.

Während Patricks Reha war Frau Aliti noch berufstätig und pendelte jeden Abend nach der Arbeit nach Wien. Damit sie für ihren Sohn da sein konnte, organisierte die AUVA eine kleine Wohnung zur Übernachtung. Auch bei der Organisation und barrierefreien Umgestaltung einer Wohnung wurde die Familie unterstützt. „Patricks Leben zieht Kosten nach sich, die ich mir allein nicht leisten könnte. Die Unterstützung durch die AUVA gibt mir Rückhalt und die Kraft weiterzumachen“, bedankt sich Nurtenka Aliti.

Pflege: Ein Riesenberg an Aufgaben

Da der Spagat zwischen den beruflichen Pflichten und privaten Herausforderungen zu groß wurde, musste die alleinerziehende Mutter ihren Job aufgeben. Als Patrick nach Hause kam, verbesserte sich sein Zustand. Die ersten drei Monate hat Frau Aliti die Pflege allein übernommen. Mittlerweile bekommt sie Unterstützung von einer 24-Stunden-Betreuerin, mit der sie sich die Aufgaben teilt. Sie erzählt, dass es schwer ist, kompetente und leistbare Pflegekräfte zu finden, zumal der Pflegeaufwand für Patrick sehr hoch ist. Ernährungssonde und Beatmungskanüle müssen regelmäßig gewechselt werden, dafür braucht es Erfahrung. Es gibt viele anstrengende Nächte, manchmal muss Nurtenka mehr als zehn Mal aufstehen. Als Sachwalterin ihres Sohnes muss sie auch viele administrative Aufgaben erfüllen. Unterstützung bekommt Nurtenka von ihrem jüngeren Sohn Elvis (21 Jahre) und von Tante Niki, die zwei Mal in der Woche zu Besuch kommt. Wenn sie einmal Zeit für sich hat, geht Frau Aliti gerne spazieren oder sitzt auf der Terrasse. Spazieren geht sie auch viel mit Patrick. Mit Unterstützung der AUVA wurde ein Treppenlift und ein Rollstuhl finanziert. So kommt Patrick aus den vier Wänden seines Zimmers auch mal heraus. Manchmal tanzen sie auch mit dem Rollstuhl, das hat Patrick früher sehr gerne gemacht. „Patrick war lebensfroh und hat immer irgendeinen Schmäh mit nach Hause gebracht. Er hat mich auch immer zum Tanzen aufgefordert: ‚Tanzen mit Mama‘, das war unser Ritual“, erzählt seine Mutter.

AUVA-„Back to Life“-Award: Preisverleihung im April 2021

Mit dem AUVA-„Back to Life“-Award zeichnet die AUVA-Landesstelle Wien seit 1997 Menschen aus, die ihre Angehörigen nach schweren Arbeitsunfällen zu Hause pflegen. Die Auszeichnung ist für Nurtenka Aliti eine wichtige Anerkennung, auch wenn die Pflege ihres Sohnes für sie eine Selbstverständlichkeit ist: „Ich würde alles für Patrick machen! Das Wichtigste ist, dass es ihm gut geht!“ Die offizielle Preisverleihung im alten Landhaus in Eisenstadt wird voraussichtlich im Frühjahr 2021 stattfinden.

Familie Aliti und AUVA-Landestelle Wien-Direktor Mag. Minixhofer


Im Bild v.l.n.r.:
Niki (Tante), Nurtenka Aliti (Preisträgerin), Elvis Aliti (Sohn), Reinhard Minixhofer (Direktor AUVA-Landesstelle Wien); 
Bildcredit: AUVA/J. Godany


Über die AUVA:

Bei der AUVA sind ca. 4,5 Millionen Personen gesetzlich gegen die wirtschaftlichen, gesundheitlichen und sozialen Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten versichert. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben fast zur Gänze aus den Beiträgen der Dienstgeber und übernimmt dafür die Haftung für Arbeitsunfälle und das Auftreten von Berufskrankheiten. Kernaufgaben der AUVA sind die Verhütung von Arbeitsunfällen sowie die Heilbehandlung und Rehabilitation. Ziel ist es, Unfallopfer und Beschäftigte mit Berufserkrankungen möglichst rasch wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren. Eine weitere Kernaufgabe der AUVA ist die finanzielle Entschädigung. Diese vier Aufgabenbereiche der AUVA ermöglichen eine integrierte und effiziente Unfallversicherung mit hohem volkswirtschaftlichem und gesellschaftlichem Nutzen. Die AUVA betreibt das Traumazentrum Wien mit den beiden Standorten Meidling und Brigittenau/Lorenz Böhler, die Unfallkrankenhäuser Linz, Salzburg, Klagenfurt und Steiermark mit den beiden Standorten Graz und Kalwang sowie die Rehabilitationszentren Meidling (Wien), Weißer Hof (NÖ), Häring (Tirol) und Tobelbad (Steiermark). In den Einrichtungen der AUVA werden jährlich über 375.000 Patientinnen und Patienten auf medizinischem Spitzenniveau versorgt, davon mehr als 46.000 stationär.