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18.12.2020, Wien: AUVA-"Back to Life"-Award Wien für Gerhard Hudecek aus Liesing


Gerhard Hudecek erlitt im Alter von 52 Jahren einen schweren Arbeitsunfall, doch er kämpfte sich ins Leben zurück. Für seinen engagierten und vorbildhaften Weg wird der heute 83-Jährige mit dem AUVA-„Back to Life“-Award für Wien ausgezeichnet. Hudecek ist der älteste Preisträger, der den Award jemals erhielt.

Gerhard (Preisträger) und Helga Hudecek


Im Jahr 2019 passierten in Österreich durchschnittlich 244 Arbeitsunfälle am Tag. Hinter diesen Zahlen stecken oft schwere Schicksalsschläge, aber auch beeindruckende Wege zurück ins Leben. Das zeigt die AUVA Jahr für Jahr mit dem „Back to Life“-Award. „Gerhard Hudecek ist ein Beispiel dafür, dass man auch nach einem schweren Schicksalsschlag sein Leben wieder mit Freude und Energie in die Hand nehmen kann. Seine letzte Baustelle als Bauleiter war der barrierefreie Umbau seines eigenen Hauses. Mit dem Rückhalt der Familie zeigt Herr Hudecek, dass es auch nach schweren Unfällen ein schönes und lebenswertes Leben gibt. Er strahlt so viel positive Energie aus, dass wir ihn heuer als Preisträger ausgewählt haben“, sagt KommR Peter Engelbrechtsmüller, Vorsitzender der AUVA-Landesstelle für Wien, Niederösterreich und Burgenland, in einer persönlichen Grußbotschaft. 

Arbeitsunfall mit 52 Jahren: Von Leiter gestürzt

Gerhard Hudecek war als stellvertretender Geschäftsführer in einer Baufirma beschäftigt. Am 2. Februar des Jahres 1989 fuhr er alleine auf eine Baustelle, die er damals geleitet hat, um schnell ein paar Maße zu nehmen. Um in den ersten Stock zu gelangen, musste er mit der Leiter hinaufsteigen. „Es ging alles sehr schnell. Beim Übergang auf das Gesims begann die Leiter seitlich wegzurutschen und ich fiel fast fünf Meter hinunter“, erzählt Hudecek. Zum Glück bekam eine Dame, die nebenan wohnte, den Unfall mit und alarmierte die Rettung. Hudecek wurde ins Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus eingeliefert, heute ein Standort des AUVA-Traumazentrum Wien, wo er sofort operiert wurde. Durch den Bruch von zwei Lendenwirbeln blieb eine inkomplette Querschnittlähmung als Folge des Unfalls zurück. 

Rehabilitation und die letzte Baustelle

Im AUVA-Rehabilitationszentrum Weißer Hof in Klosterneuburg, NÖ, wurde Herr Hudecek sechs Monate intensiv auf das Leben nach dem Arbeitsunfall vorbereitet und lernte trotz Behinderung, selbständig zu leben. „Die Rehabilitation am Weißen Hof hat mir nicht nur körperlich geholfen, sondern auch psychisch. Ich konnte danach besser mit meiner Situation umgehen“, sagt Hudecek. Nachdem er nach Hause entlassen wurde, nahm der ehemalige Bauleiter seine letzte Baustelle in Angriff: den barrierefreien Umbau seines Hauses. „Das war für mich ein Auftrieb und eine Beschäftigung“, erzählt Hudecek. „Und es hat mir auch nochmals einen völlig neuen Blick auf das Bauen vermittelt. Vorher habe ich, selbst als Fachmann, vieles nicht bedacht. Ich dachte: ‚Was ist schon eine Stufe?" Mit einem Lift, der fünf Ausstiege hat, kann sich Gerhard Hudecek heute gut durch das Haus bewegen.

Das Leben genießen mit dem Rückhalt der Familie

Heute ist Gerhard Hudecek 83 Jahre alt und seit 31 Jahren im Rollstuhl. „Es ist ein Kampf, der sich jeden Tag wiederholt“, sagt er. Diesen Kampf nimmt er aber immer wieder aufs Neue auf. Im Garten vor dem Haus geht er jeden Morgen eine halbe bis dreiviertel Stunde auf Krücken. Ein anstrengendes Training, da er sein ganzes Gewicht auf den Händen tragen muss. Doch die Stärkung seiner Armmuskeln ist wichtig, damit er sich morgens allein aus dem Bett heben kann. Den Ehrgeiz und den Willen, es aus eigener Kraft zu schaffen, hatte Herr Hudecek schon immer. Vom Maurer arbeitete sich der dreifache Familienvater zum Bauleiter hoch.

Immer an seiner Seite: Ehefrau Helga, mit der Herr Hudecek heuer den 60. Hochzeitstag feierte. Die beiden haben drei Kinder. Am Nationalfeiertag erblickte Urenkel Emil das Licht der Welt. „Ohne meine Frau Helga hätte ich das alles nicht durchgehalten. Dank ihr und unserer Kinder sitze ich heute noch so da, wie Sie mich erleben“, sagt „Hudi“, wie ihn Helga liebevoll nennt. 

AUVA-„Back to Life“-Award: Preisverleihung im April 2021

KommR Peter Engelbrechtsmüller, Vorsitzender der AUVA-Landesstelle für Wien, NÖ und BurgenlandDer AUVA-„Back to Life“-Award wird seit 1997 von der AUVA-Landesstelle Wien vergeben. Mit dem Award werden Menschen ausgezeichnet, die sich nach schweren Arbeitsunfällen mit einer beispielhaften sozialen und beruflichen Rehabilitation ins Leben zurück gearbeitet haben und damit vielen Menschen Mut machen.

Was eine Sozialversicherung für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten bedeutet, lernte Gerhard Hudecek erst nach seinem schweren Arbeitsunfall. Die AUVA begleitet Versicherte mit dauerhaften Einschränkungen langfristig. Speziell ausgebildete Rehabilitations- und Sozialberater besuchen die Patienten regelmäßig und helfen, wenn nötig, bei der Lösung sozialer, beruflicher und finanzieller Probleme, die sich durch den Unfall ergeben. Ich habe gelernt, die AUVA zu lieben. Auch wenn ich sie immer noch am liebsten habe, wenn ich sie nicht brauche“, lacht Hudecek. Die Auszeichnung mit dem „Back to Life“-Award ehrt ihn: „Ich freue mich und bin auch ein bisschen stolz, dass man einen, der nicht mehr kann, trotzdem noch auszeichnet“, sagt Gerhard Hudecek bescheiden. Die offizielle Preisverleihung im Wiener Rathaus wird voraussichtlich im Frühjahr 2021 stattfinden. 



Bildhinweise:
Gerhard Hudecek (Preisträger) und Helga Hudecek (Ehefrau)
© AUVA, J. Godany;
KommR Peter Engelbrechtsmüller (Vorsitzender der AUVA-Landestelle für Wien, Niederösterreich und Burgenland) - © AUVA



Über die AUVA:

Bei der AUVA sind ca. 4,5 Millionen Personen gesetzlich gegen die wirtschaftlichen, gesundheitlichen und sozialen Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten versichert. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben fast zur Gänze aus den Beiträgen der Dienstgeber und übernimmt dafür die Haftung für Arbeitsunfälle und das Auftreten von Berufskrankheiten. Kernaufgaben der AUVA sind die Verhütung von Arbeitsunfällen sowie die Heilbehandlung und Rehabilitation. Ziel ist es, Unfallopfer und Beschäftigte mit Berufserkrankungen möglichst rasch wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren. Eine weitere Kernaufgabe der AUVA ist die finanzielle Entschädigung. Diese vier Aufgabenbereiche der AUVA ermöglichen eine integrierte und effiziente Unfallversicherung mit hohem volkswirtschaftlichem und gesellschaftlichem Nutzen. Die AUVA betreibt das Traumazentrum Wien mit den beiden Standorten Meidling und Brigittenau/Lorenz Böhler, die Unfallkrankenhäuser Linz, Salzburg, Klagenfurt und Steiermark mit den beiden Standorten Graz und Kalwang sowie die Rehabilitationszentren Meidling (Wien), Weißer Hof (NÖ), Häring (Tirol) und Tobelbad (Steiermark). In den Einrichtungen der AUVA werden jährlich über 375.000 Patientinnen und Patienten auf medizinischem Spitzenniveau versorgt, davon mehr als 46.000 stationär.