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Empfehlungen für Bedingungen zur Erbringung der Arbeitsleistung in der Arbeitsstätte von Personen mit einem COVID-19-Risiko-Attest nach § 735 ASVG (im Folgenden: betroffene Person)


Grundlage für das vorliegende Dokument ist die gesetzliche Bestimmung, dass bei Beschäftigung von Personen mit einem COVID-19-Risiko-Attest nach § 735 ASVG mit größtmöglicher Sicherheit eine Ansteckung ausgeschlossen werden muss. Die Risikogruppe wurde in der COVID-19-Risikogruppenverordnung definiert. Im Vergleich zur gesunden Bevölkerung weisen betroffene Personen mit Grunderkrankungen eine erhöhte Infektanfälligkeit, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen schweren Erkrankungsverlauf sowie eine deutlich erhöhte Sterblichkeit auf (Guan et al. 2020, Richardson et al. 2020). Deshalb sind für betroffene Personen striktere Schutzmaßnahmen als bei gesunden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erforderlich.

In einer Studie wurde vorgebracht, dass die allgemeine Abstandsempfehlung von 1 bis 2 m den potenziellen Expositionsbereich für Personen unterschätzen (Bourouiba 2020). Eine Expositionsdauer von 8 Stunden muss berücksichtigt werden. Dies findet im Folgendem vor allem in der räumlichen Distanzierung zwischen einer betroffenen und einer anderen Person Ausdruck.

  • Diese Empfehlung gilt nur für Tätigkeiten, die nicht für den Gesundheitsbereich relevant sind.
  • Der Erstellung dieses Dokuments wird zugrunde gelegt, dass die allgemeinen Hygiene- und Sicherheitsstandards für Betriebe zur Verringerung einer möglichen SARS-CoV-2-Infektion im Betrieb bereits umgesetzt sind (AUVA-Merkblätter M.plus 010 und M 010 "Coronavirus - So bleiben wir gesund im Betrieb). Maßnahmen, die sich aus der COVID-19-Gesetzgebung ergeben, sind zu beachten (z. B. branchespezifische Maßnahmen). Ebenso gelten die arbeitnehmerschutzrechtlichen Bestimmungen weiterhin.
  • Die Möglichkeit einer Arbeitstätigkeit im Homeoffice ist zuerst zu prüfen und vorrangig umzusetzen. Sollte das Homeoffice nicht möglich sein, ist die Überprüfung im Sinne dieses Dokuments vorzunehmen. Sollten keine entsprechenden Maßnahmen möglich sein, ist die betroffene Person freizustellen.
  • Da es nicht möglich ist, alle Situationen mit dieser Empfehlung abzudecken, kann es im Einzelfall auf Grund von speziellen individuellen und speziellen betrieblichen Gegebenheiten zu abweichenden Schlussfolgerungen kommen (z. B. Gesundheitseinrichtungen mit Berücksichtigung der Verordnung biologische Arbeitsstoffe - VbA).
  • Eine Risikoanalyse muss erfolgen und geeignete Maßnahmen sind abzuleiten. Das Ergebnis der Risikoanalyse und der daraus abgeleiteten Maßnahmen müssen dokumentiert werden.
  • Bitte bedenken Sie, dass es sich bei Gesundheitsinformationen (z. B. bei Erkrankungen, die zum Risiko-Attest führen), die dem Datenschutz unterliegen, um äußerst sensible und persönliche Daten der Arbeitnehmerin bzw. des Arbeitnehmers handelt. Stellen Sie sicher, dass eine vertrauliche Situation für die Besprechung, die Vorbereitung und Umsetzung der Maßnahmen geschaffen wird.
  • Bei medizinischen Fragen der betroffenen Person zu seinen Gesundheitsrisiken im betrieblichen Kontext sollte tunlichst auch die Arbeitsmedizinerin bzw. der Arbeitsmediziner beigezogen werden. Diese bzw. dieser unterliegt der ärztlichen Verschwiegenheitspflicht.
  • Als Maßnahme kann auch eine Änderung der Arbeitstätigkeit möglich sein, sofern das arbeitsrechtlich zulässig ist.
  • Die Empfehlungen wurden an Hand der aktuell verfügbaren Datenlage erstellt.
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Arbeitsplatz im Betrieb

1. Eine der folgenden drei Möglichkeiten muss erfüllt sein, wobei die Rangfolge zu beachten ist.

A Der betroffenen Person steht ein Raum (die sonstigen Schutzbestimmungen bleiben davon unberührt) zur alleinigen Nutzung für ihre Arbeit zur Verfügung.

oder

B Die betroffene Person wird an ihrem Arbeitsplatz durch eine geeignete technische Barriere abgeschirmt (z. B. durch eine bauliche Maßnahme, die zu jeder Zeit sicherstellt, dass sich eine Barriere zwischen anderen Personen und der betroffenen Person befindet), sodass diese vor einer Infektion bestmöglich geschützt ist.

oder

C Abstandsregel für die betroffene Person für die Regeltätigkeit (8 Stundentätigkeit):

  • Ab 4 Meter: keine MNS-Maske erforderlich
  • 2 bis 4 Meter: MNS-Masken werden von der betroffenen Person und von anderen Personen, die sich in dem 2 bis 4 Meter-Bereich aufhalten, verwendet.
  • Unter 2 Meter: Verwendung einer FFP2-Maske mit Ausatemventil durch die betroffene Person


2. Abstandsregel für zeitweisen Kontakt kleiner als 15 Minuten

  • Das Tragen einer MNS-Maske und die Einhaltung eines Mindestabstands von 1,5 Metern ist möglich.
  • Zeitweise: ca. 10 Prozent der Arbeitszeit


Hinweise:
 

  • Für die Risikoperson muss es aus gesundheitlichen Gründen zumutbar sein, eine Maske zu tragen.
  • Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist zwischen Arbeitgeberin bzw. Arbeitgeber und Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer einvernehmlich zu klären, sofern sich eine Verpflichtung nicht aus anderen Rechtsvorschriften ergibt.
  • Die Verwendung einer FFP2-Maske als Infektionsschutz geht mit einer erheblichen Atemanstrengung einher und ist prinzipiell zeitlich stark einzugrenzen und nach Möglichkeit zu vermeiden.
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Arbeitstätigkeit

  • Kein Arbeiten mit Personen mit bekannter oder vermuteter SARS-CoV-2 Infektion.
  • Keine Tätigkeiten mit wechselnde Kontakten mit Personen, außer es besteht eine geeignete technische Barriere, die zu jeder Zeit sicherstellt, dass sich eine Barriere zwischen Kundinnen bzw. Kunden und der betroffenen Person befindet oder es werden MNS-Masken von beiden getragen und 2 m Mindestabstand eingehalten.
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Pausen

Hier gelten die gleichen Bedingungen wie beim Punkt Arbeitsplatz im Betrieb.

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Sanitärräume und Umkleide

Hier gelten die gleichen Bedingungen wie beim Punkt Arbeitsplatz im Betrieb.

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An- und Heimreise und berufliche bedingte Fahrten

Öffentliche Verkehrsmittel und Fahrgemeinschaften mit nicht im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen sollten nicht benutzt werden, außer es kann eine FFP2-Maske mit Ausatemventil getragen werden. Zudem können Lösungen, z. B. Änderung der Dienstzeiten angedacht werden, um Stoßzeiten zu vermeiden - sofern arbeitsrechtlich zulässig. 

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Wege im Betrieb

Gang zum und vom Arbeitsplatz, sonstige kurze Wege zur Erfüllung der Arbeitsaufgabe und der Gang zu den Sanitäranlagen, zu den Pausenräumen oder ähnliche innerbetriebliche Wege, sind unter größtmöglicher Kontaktminimierung zu den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möglich, wobei eine MNS-Maske getragen und ein Mindestabstand von 1,5 Meter überwiegend eingehalten wird.

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Hygiene

  • Die empfohlenen allgemeinen Hygieneregeln werden strikt eingehalten.
  • Ein WC und Waschplatz mit fließendem und warmem Wasser, hautschonende Flüssigseife, Einweghandtücher und Desinfektionsmittel sind vorhanden und sind unter größtmöglicher Kontaktminimierung in angemessen kurzer Zeit erreichbar.
  • Telefone, Tastaturen, technische Einrichtungen (z. B. Bedienelemente), Werkzeuge und andere Arbeitsmittel werden nur von der betroffenen Person benutzt oder bei gemeinsamer Verwendung werden diese, bevor die betroffene Person diese benützt, gereinigt und/oder desinfiziert.
  • Üblicherweise gemeinsam genutzte Kontaktflächen (z. B. Türgriffe, Tischflächen) werden regelmäßig in kürzeren Intervallen gereinigt und/oder desinfiziert.
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Kommunikation im Betrieb

  • Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden über die allgemeine Hygiene informiert.
  • Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umfeld der betroffenen Person sind von gesetzten speziellen Maßnahmen informiert.
  • Die betroffene Person ist unterwiesen.
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Präventivkräfte

Zur Ermittlung und Beurteilung der Gefahren und der Festlegung der Maßnahmen soll die Arbeitsmedizin hinzugezogen werden. Abhängig vom Fachbereich, sind bei Bedarf weitere geeignete Fachleute herangezogen worden (z. B. Sicherheitsfachkraft).

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Sonstiges

  • Es stehen MNS-Masken bzw. FFP2-Masken mit Ausatemventil für die betroffene Person zur Verfügung.
  • Geeignete Desinfektionsmittel stehen zur Verfügung.
  • Die Einhaltung der getroffenen Maßnahmen zum Schutz von betroffenen Personen werden regelmäßig kontrolliert und, wenn erforderlich, angepasst - eine Ansprechperson wurde bekannt gegeben.
  • Das Ergebnis dieser speziellen Evaluierung muss dokumentiert sein.
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Weiterführende Literatur

  • Bischoff WE, Swett K, Leng I et al. Exposure to influenza virus aerosols during routine patient care. J Infect Dis 2013; 207: 1037-1046. DOI: 10.1093/infdis/jis773
  • Bourouiba L, PhD, Massachusetts Institute of Technology: Turbulent Gas Clouds and Respiratory Pathogen Emissions: Potential Implications for Reducing Transmission of COVID-19, JAMA. Published online March 26, 2020. DOI: 10.1001/jama.2020.4756
  • COVID-19-Risikogruppenverordnung BGBl. II 203/2020
  • Guan WJ, Ni ZY, Hu Y, Liang WH, Ou CQ, He JX, et al. Clinical Characteristics of Coronavirus Disease 2019 in China. N Engl J Med 2020; 382:1708-1720. 2020.  DOI: 10.1056/NEJMoa2002032
  • AUVA-Merkblätter M.plus 010 und M 010 "Coronavirus - So bleiben wir gesund im Betrieb"
  • Richardson, Safiya; Hirsch, Jamie S.; Narasimhan, Mangala; Crawford, James M.; McGinn, Thomas; Davidson, Karina W. et al. (2020): Presenting Characteristics, Comorbidities, and Outcomes Among 5700 Patients Hospitalized With COVID-19 in the New York City Area. In: JAMA. DOI: 10.1001/jama.2020.6775.
  • Tang JW, Nicolle AD, Klettner CA et al. Airflow dynamics of human jets: sneezing and breathing - potential sources of infectious aerosols. PLoS One 2013; 8: e59970. DOI: doi.org/10.1371/journal.pone.0059970
  • Zheng et al., Viral load dynamics and disease severity in patients infected with SARS-CoV-2 in Zhejiang province, China, January-March 2020: retrospective cohort study, BMJ 2020;369:m1443. DOI: 10.1136/bmj.m1443