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Rechtsinformation zum Thema Telearbeit (Homeoffice)

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass für eine juristische Einstufung der Frage des Versicherungsschutzes bei Telearbeitsplätzen (Homeoffice etc.) vor allem zwei Kriterien zu berücksichtigen sind:

  • Die Tätigkeit muss auch für Außenstehende als Erwerbstätigkeit erkennbar sein.
  • Die Tätigkeit muss auch von der bzw. dem Handelnden in dieser (betrieblichen) Intention durchgeführt werden.

Allgemein gilt: Das Risiko, bei Telearbeit einen Arbeitsunfall zu erleiden, ist als verhältnismäßig gering zu erachten und wird sich erfahrungsgemäß im Wesentlichen auf Stürze beschränken.

Hier die wichtigsten Punkte im Zusammenhang von Telearbeit (Homeoffice etc.) und Unfallversicherungsschutz:


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1. Wo besteht Versicherungsschutz?

Der Versicherungsschutz erstreckt sich grundsätzlich nur auf den Arbeitsraum, in dem die Mitarbeiterin bzw. der Mitarbeiter die berufliche Tätigkeit ausübt. Das kann je nach der örtlichen Gegebenheit ein eigener Arbeitsraum, das Wohnzimmer etc. sein. Bei Telearbeit wird dies der Raum sein, in dem üblicherweise der Computer oder Laptop steht. Es ist aber auch ein temporäres Ausweichen, zum Beispiel auf Terrasse, Balkon oder in den Garten möglich. Denn natürlich hat die Mitarbeiterin bzw. der Mitarbeiter Gestaltungsfreiheit, wo sie bzw. er das Arbeitsgerät aufstellt. Allerdings ist festzuhalten, dass der Versicherungsschutz in all diesen Arbeitsräumen nur im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit besteht!

Bei privaten Handlungen besteht kein Versicherungsschutz! Da sich die Mitarbeiterin bzw. der Mitarbeiter bei Telearbeit grundsätzlich in ihrem bzw. seinem privaten Umfeld befindet, sind andere Orte als der jeweilige Arbeitsbereich auch nicht vom Versicherungsschutz erfasst. Das bedeutet: Unfälle auf dem Weg zur Toilette, zur Zubereitung des Mittagessens oder auf dem Weg in den Garten während einer Arbeitspause stehen nicht unter Unfallversicherungsschutz.

Dasselbe gilt für den Weg zur bzw. zum oder von der Ärztin bzw. vom Arzt, da diese Wege nur dann geschützt sind, wenn sie anlässlich eines Arbeitsweges von zu Hause zur Firma oder am Heimweg vorgenommen werden.

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2. Wann besteht Versicherungsschutz?

Versicherungsschutz besteht grundsätzlich nur während der Zeit der Telearbeit. Die Fixierung einer bestimmten Mindestanwesenheitszeit und dergleichen dient nur als Indiz, dass ein Unfall in dieser Zeit ein Arbeitsunfall ist. Auch bei einer betrieblichen Tätigkeit außerhalb der Erreichbarkeitszeit ist Unfallversicherungsschutz gegeben.

Die Erhebungen und Prüfungen, bei welcher Tätigkeit die Mitarbeiterin bzw. der Mitarbeiter zu Schaden gekommen ist, sind im Wesentlichen dieselben wie bei einem herkömmlichen Arbeitsunfall. Aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht ist es daher ratsam, dass Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber Vereinbarungen über die Arbeitszeit treffen und diese entsprechend vorliegen.

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3. Nachweis und Beweislast

Für Unfälle außerhalb der Betriebsstätte gibt es keine anderen oder strengeren Nachweispflichten und sind auch die gleichen Formulare (für die Unfallmeldung) zu verwenden. Der einzige Unterschied liegt darin, dass bei vom Dienstgeber gemeldeten Unfällen im Betrieb die Erhebungen meist einfacher sind als bei Unfällen, die sich „zu Hause“ ereignen.

Dennoch wird hier, wie bei den Wegunfällen, durch Zeugen- und Beteiligtenbefragungen, Ortsaugenscheine und Erstellung von Gutachten ermittelt, wie es zu dem Unfall gekommen ist.