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20.12.2019, Wien/Bgld.: AUVA-"Back to Life"-Award Burgenland für Gernot Schaller aus Purbach am Neusiedler See


Für seine vorbildliche berufliche und soziale Rehabilitation wurde Gernot Schaller am 19. Dezember 2019 bei einem Festakt im Alten Landhaus in Eisenstadt mit dem AUVA-„Back to Life“-Award für das Burgenland ausgezeichnet. Gernot Schaller erlitt einen schweren Arbeitsunfall und musste sich beruflich völlig neu orientieren. Mit Unterstützung der AUVA machte er im Alter von 42 Jahren eine Lehre zum Schuhmacher und sorgt nun dafür, dass ein altes Handwerk nicht ausstirbt.

Preisverleihung "AUVA-"Back to Life"-Award Burgenland für Gernot Schaller


Im Bild v.l.n.r.: Mag. Reinhard Minixhofer (Direktor-Stv. AUVA-Landesstelle Wien), Mag. Alexander Bernart (Generaldirektor AUVA), LR Christian Illedits (Soziallandesrat Burgenland), Gernot Schaller (Preisträger), Franz Nechansky (Spartenobmann-Stv. Wirtschaftskammer Burgenland)
(Fotocredit: Bgld. Landesmedienservice)

Zum ersten Mal überreichte dieses Jahr Landesrat Christian Illedits den Award an den Preisträger Gernot Schaller: „Menschen mit körperlichen oder seelischen Beeinträchtigungen haben es vergleichsweise schwer, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Gemeinsam müssen wir die Hürden auf dem Weg zum beruflichen Wiedereinstieg weiter abbauen - damit den Betroffenen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht wird und der heimische Arbeitsmarkt von den wertvollen Leistungen profitieren kann“, so der Soziallandesrat in seiner Laudatio. „Nach einem schweren Schicksalsschlag ist es oft nicht leicht, wieder in den Alltag zurückzufinden. Die AUVA unterstützt Betroffene mit umfassenden Leistungen so gut wie möglich auf ihrem Weg zurück ins Leben. Mit dem ‚Back to Life‘-Award zeigen wir, was eine soziale Unfallversicherung dem einzelnen Menschen bringt. Und davon profitieren letztlich alle: Arbeitnehmer, Unternehmen, Sozialsystem und Volkswirtschaft“, sagt Alexander Bernart, Generaldirektor der AUVA, der den AUVA-„Back to Life“-Award ins Leben gerufen hat. Die Gewerkschaft Bau-Holz NÖ belohnte Schallers Leistung mit einem Wellnessurlaub. Franz Nechansky, Spartenobmann-Stellvertreter der Wirtschaftskammer Burgenland überreichte dem Preisträger einen Warengutschein im Wert von € 1.000,--.

Arbeitsunfall mit weitreichenden Konsequenzen

Kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember 2007, erlitt Gernot Schaller einen Arbeitsunfall mit weitreichenden Konsequenzen für sein weiteres Leben. Der damals 37-Jährige arbeitete als Maschinenführer in einem Spanplattenwerk und wurde von einem 16 Tonnen schweren Stapler überfahren. Mit schweren Beinverletzungen wurde Schaller ins Krankenhaus nach Wiener Neustadt gebracht. Die ganze Tragweite seines Unfalls war ihm anfangs nicht bewusst, erzählt er: „Ich dachte damals, dass ich in drei Wochen wieder gehen kann. Leider war dem nicht so“. Die Verletzungen waren so gravierend, dass bleibende Schäden zurückblieben. Links ist sein Bein auf Grund eines Oberschenkelhalsbruches verkürzt, die Sprunggelenke sind steif und Schaller leidet am sogenannten „Spitzfußgang“, d.h. dass er die Fersen beim Gehen nicht auf den Boden aufsetzen kann. In der ersten Zeit zu Hause, war er auf den Rollstuhl angewiesen. Während eines viermonatigen Aufenthaltes in der AUVA-Rehabilitationsklinik Tobelbad in der Steiermark hat sich Schaller seine Mobilität mit intensiven Therapien hart zurückerarbeitet. Heute kann sich der 49-Jährige ohne Rollstuhl und Krücken fortbewegen; mit den täglichen Schmerzen hat er gelernt zu leben. 

Berufliche Rehabilitation: Schuhmacher-Lehre mit 42 Jahren

Preisträger Gernot Schaller, AUVA-Rehabilitations- und Sozialberaterin Nicole Steiger  Im Bild: Preisträger Gernot Schaller, AUVA-Rehabilitations- und Sozialberaterin Nicole Steiger (Fotocredit: Jaqueline Godany)


Mit einem körperlichen Handicap ist plötzlich alles anders, das musste auch Gernot Schaller erfahren. Die Rehabilitations- und Sozialberatung der AUVA unterstützt Betroffene bei der Lösung gesundheitlicher, privater, beruflicher und finanzieller Probleme, die Arbeitsunfälle nach sich ziehen. Speziell ausgebildete Rehabilitations- und Sozialberater besuchen die Versicherten regelmäßig und begleiten sie, je nach Bedarf, oft viele Jahre. „Zuerst standen für mich die gesundheitlichen Probleme im Vordergrund. Meine AUVA-Betreuerin, Nicole Steiger, kam einmal im Monat zu mir und fragte, wo ich Unterstützung brauche. Das hat mir sehr geholfen; auch zu wissen, dass man nicht allein da steht! Als es mir dann sukzessive besser ging, haben wir meine berufliche Rehabilitation in die Hand genommen“, erzählt Schaller. Um im Arbeitsleben wieder Fuß zu fassen, absolvierte er eine 12-wöchige Berufsorientierung im BBRZ Kapfenberg/Steiermark. Das berufliche Bildungs- und Rehabilitationszentrum unterstützt Menschen, die auf Grund einer Krankheit oder eines Unfalls ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können, bei der Entwicklung einer neuen beruflichen Perspektive. Schaller hatte die Möglichkeit, einen Praxistag in der „Orthopädieschuhmacherei Weninger“ zu machen. Dabei bewies er großes handwerkliches Geschick und die Firma bot ihm eine Lehrstelle an. Mit Unterstützung der AUVA begann Schaller die Lehre zum Schuhmacher, 2012, im Alter von 42 Jahren. 

Kaputtes kann man reparieren! 

Gernot Schaller, AUVA-Generaldirektor Mag. Alexander Bernart  Im Bild: Preisträger Gernot Schaller mit AUVA-Generaldirektor Mag. Alexander Bernart (Fotocredit: Jacqueline Godany)


Bei der Fa. Weninger in Eisenstadt arbeitet Schaller noch immer hauptberuflich von Montag bis Donnerstag. Vor vier Jahren hat er sich nebenbei selbständig gemacht und repariert abends und an den Wochenenden Schuhe in der heimischen Werkstatt. Dabei geht es ihm nicht um den Profit, sondern vor allem um die Liebe zum Handwerk. Schaller weiß um die Wichtigkeit von gutem Schuhwerk, da er seit seinem Unfall selbst darauf angewiesen ist: „Von gutem Schuhwerk hängt viel ab. Als Schuhmacher helfe ich Menschen im besten Fall, Schmerzen zu lindern“! Schaller ist stolz, einen traditionsreichen Beruf erlernt zu haben und seinen Beitrag zu leisten, dass das Gewerbe nicht ausstirbt. Ganz selbständig machen will er sich aber nicht. Nicht nur wegen dem finanziellen Risiko, sondern auch weil er flexibel bleiben möchte: „Ich habe viel ältere Kundschaft, Menschen, die sich unterhalten wollen. Ich möchte mir die Zeit dafür nehmen können“, sagt er. Für kleine Reparaturen verlangt er oft kein Geld. Dann danken es ihm die Menschen – wie früher – mit Naturalien wie Speck, Eiern oder einer guten Flasche Wein. Die Auszeichnung mit dem AUVA-„Back to Life“-Award bedeutet für Schaller eine Anerkennung dafür, „dass ich nach so einem Unfall zurückgekommen bin. Im Leben ist es ein bisschen so wie beim Schuhe reparieren. Wer Kaputtes repariert, hat am Ende nicht nur Stiefel, in denen er wieder laufen kann, sondern gewinnt die Erfahrung von Kontrolle. Und die gute Nachricht ist: Man kann fast alles reparieren!“


Über die AUVA

Bei der AUVA sind rund 320.000 Unternehmen und über 5 Millionen Personen gesetzlich gegen die wirtschaftlichen, gesundheitlichen und sozialen Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten versichert. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben fast zur Gänze aus den Beiträgen der Dienstgeber und übernimmt dafür die Haftung für Arbeitsunfälle und das Auftreten von Berufskrankheiten. Kernaufgaben der AUVA sind die Verhütung von Arbeitsunfällen sowie die Heilbehandlung und Rehabilitation. Ziel ist es, Unfallopfer und Beschäftigte mit Berufserkrankungen möglichst rasch wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren. Eine weitere Kernaufgabe der AUVA ist die finanzielle Entschädigung. Diese vier Aufgabenbereiche der AUVA ermöglichen eine integrierte und effiziente Unfallversicherung mit hohem volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen. Die AUVA betreibt das Traumazentrum Wien mit den beiden Standorten Meidling und Brigittenau/Lorenz Böhler, die Unfallkrankenhäuser Linz, Salzburg, Klagenfurt und Steiermark mit den beiden Standorten Graz und Kalwang sowie die Rehabilitationszentren Meidling (Wien), Weißer Hof (NÖ), Häring (Tirol) und Tobelbad (Steiermark). In den Einrichtungen der AUVA werden jährlich über 375.000 Patientinnen und Patienten auf medizinischem Spitzenniveau versorgt, davon mehr als 46.000 stationär.