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28.06.2019, Graz: 100 Jahre AUVA-Unfallkrankenhaus in Graz


Von der orthopädischen Heilanstalt zum interdisziplinären Kompetenzzentrum

Am 1. März 1919 wurde das Orthopädische Spital der Arbeiterunfallversicherungsanstalt in der Grazer Theodor Körner Straße seiner Bestimmung übergeben. Die Kapazität umfasste damals 100 Betten. Heute feiert das älteste Unfallkrankenhaus Österreichs seinen 100. Geburtstag. Seit 37 Jahren befindet es sich in der Grazer Göstinger Straße und ist mittlerweile Teil des AUVA-UKH Steiermark, des größten traumatologischen Zentrums der Steiermark. Alleine am Standort in Graz werden pro Jahr über 50.000 ambulante und 7.000 stationäre Fälle behandelt und über 5.300 Operationen durchgeführt. Dafür stehen an die 450 Bediensteten im Einsatz und 145 Betten (davon 9 Intensivbetten) zur Verfügung. 

Primarius Dr. Michael Plecko
, seit 2015 ärztlicher Leiter des UKH Graz und seit September 2018 auch ärztlicher Direktor des UKH Steiermark: "Das UKH Steiermark Standort Graz (vormals UKH Graz) ist eines der größten Unfallkrankenhäuser Österreichs und ist als regionale und überregionale Versorgungseinheit ein wichtiger Bestandteil der Steirischen Traumaversorgung. Neueste Versorgungstechnik macht es heute möglich, auch schwierigste Eingriffe sowohl in der Unfallheilbehandlung wie auch in der Orthopädie mit hoher Präzision und großem Erfolg durchführen zu können. Durch den Zusammenschluss mit dem Standort Kalwang ist das größte Traumazentrum des Landes entstanden und dies wird der steirischen Bevölkerung auch in Zukunft eine optimale Versorgung auf dem Gebiet der Orthopädie und Traumatologie garantieren. Die Zusammenarbeit mit anderen Krankenanstalten, insbesondere mit der Universitätsklinik Graz soll im Traumanetzwerk Steiermark weiter intensiviert werden."

Gruppenbild anlässlich der Feier "100 Jahre UKH in Graz"







Im Bild von links nach rechts: Hannes Weißenbacher (Direktor AUVA-Landesstelle Graz), Michael Pichler (Pflegedirektor AUVA-Unfallkrankenhaus Steiermark), Günther Stangl (Vorsitzender AUVA-Landesstelle Graz), LR Ursula Lackner, Str. Günter Riegler, Klubobfrau Barbara Riener, Anton Ofner (Obmann AUVA), Gerald Schlemmer (Verwaltungsleitung, AUVA-Unfallkrankenhaus Steiermark am Standort Graz), Michael Plecko (Ärztlicher Direktor AUVA-Unfallkrankenhaus Steiermark), Sieglinde Fuhrmann (Pflegedienstleitung AUVA-Unfallkrankenhaus Steiermark am Standort Graz), Andreas Passl (Verwaltungsdirektor AUVA-Unfallkrankenhaus Steiermark)
Copyright: Lippitsch


Bereits im Jahre 1887 erfolgte die gesetzliche Einführung der sozialen Unfallversicherung in Österreich; im selben Jahr auch die Errichtung der Arbeiterunfallversicherungsanstalt für Steiermark und Kärnten mit Sitz in Graz. Das von Kaiser Franz Josef II 1887 erlassene "Gesetz betreffend die Arbeiter-Unfallversicherung" trat jedoch erst am 1. Jänner 1889 in Kraft. 

Dr. Arnold Wittek war es, der 1903 mit orthopädischen Behandlungen von Arbeitsunfallopfern in seiner Praxis in Graz begann. 1908 errichtete er in der Grazer Meranstraße 26 dann eine private Heilanstalt für orthopädische Chirurgie. 

1914 wurde dann das Orthopädische Spital in der Theodor Körner Straße fertiggestellt, in dem ab November des Jahres Verwundete und Kriegsverletzte durch das Rote Kreuz untergebracht wurden. 1915 wurden die Operationssäle eingerichtet, wodurch auch die Spezialbehandlung von Kriegsverletzten durchgeführt werden konnte; zudem wurde auch eine Arbeitsbaracke als Prothesenwerkstätte errichtet. 

Von 1914 bis 1918 wurde das orthopädische Spital, das erste orthopädische Kriegsspital in Österreich - als Reservelazarett für Kriegsverletzte genutzt. 

Am 1. März 1919 wurde dann - wie eingangs erwähnt - unter der ärztlichen Leitung von UnivProf Dr. Arnold Witteck das Gebäude als orthopädisches Spital der Arbeitsunfallversicherungsanstalt übergeben. Der erste "Unfallpatient" wurde am 1. April 1919 eingeliefert. 

1926 wird die Kapazität des Unfallkrankenhauses auf 170 Betten erweitert. 

Im Jahre 1934 wird die Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt aufgelöst und die Arbeiter-Versicherungsanstalt neuer Rechtsträger des Unfallkrankenhauses. 

1938 erfolgt die Einführung der reichsgesetzlichen Unfallversicherung und das Krankenhaus geht in das Eigentum der Bergarbeiter-Unfallversicherung über. 1939 übernahm die Knappschaft-Berufsgenossenschaft Reichsunfallversicherung mit Sitz in Berlin das Unfallkrankenhaus, in dem Arbeitsunfallverletzte versorgt wurden und das auch als Teillazarett diente.

1940 schließlich erfolgte der Umbau des Hauses zum Spezialbehandlungszentrum für Unfallopfer. Jedes Krankenzimmer erhält eine Waschgelegenheit und Klingelanlage; in den Operationssälen werden neue Sterilisationsanlagen eingebaut. Die ärztliche Leitung übernimmt Doz Dr. Walter Ehalt, seit 1934 Assistent von UnivProf Lorenz Böhler. Ab diesem Zeitpunkt finden im UKH auch Vorlesungen für Studenten der Universität Graz statt. 

Nach dem Kriegsende 1945 übernahm die Bergarbeiter-Versicherungsanstalt das Krankenhaus. Durch den Erwerb eines Narkose-Feldgerätes von den Engländern und der Einschulung des Assistenzarztes des UKH Graz 1946 in Birmingham in die "moderne Narkosetechnik" gab es in der Steiermark den ersten "Fach-Anästhesisten".

1948 lernt Dr. Ehalt bei UnivProf Dr. Benno Gutmann in Stoke Mandeville die Behandlung von Querschnittgelähmten kennen; dies war richtungsweisend für neue Behandlungsmethoden in der Steiermark. 

1948 war auch das Jahr, in dem die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt als Rechtsträger der sozialen Unfallversicherung das Krankenhaus wieder übernahm. 

1949 wurde im Unfallkrankenhaus eine Knochenbank errichtet, wodurch weltweit zum ersten Mal Knorpel- und Knochenplastiken bei Knieverletzungen durchgeführt wurden. 

Bedingt durch den Gebäudeumbau werden 50 Betten in die "Tobelvilla" (Tobelbad) ausgelagert. Die medizinische Versorgung erfolgt durch die Ärzte des UKH. 

1951 wurde der Zubau mit 200 Betten fertiggestellt. Eine Modernisierung erfolgte auch mit einem neuen Röntgenzimmer, Klimaanlagen in den OP-Sälen, Blutbank, Knochenbank, etc. 

Auf Grund der Zunahme von Frischverletzten im UKH Graz ist keine längere ambulante Nachbehandlung mehr möglich, daraus resultierend erfolgt der Bau der "Sonderstation Tobelbad". Das Rehabilitationszentrum Tobelbad wird als erste europäische Einrichtung zur Behandlung von Querschnittgelähmten eröffnet. 

1956 erfolgt die Umbenennung in "Arbeitsunfallkrankenhaus", um den speziellen Charakter der Behandlung nach Arbeitsunfällen zu betonen. 

Am 17. Mai 1974 erfolgte die Grundsteinlegung für das Unfallkrankenhaus in Eggenberg; die feierliche Eröffnung erfolgte am 26. Februar 1982.

1977 erfolgte die erste Makro-Replantation eines Unterarmes in Österreich.