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02.05.2019, Graz: Mit den Augen eines Staplerfahrers


Wie eine neue Brille, genannt "View Point System", zu mehr Arbeitssicherheit beiträgt

"Schwere Unfälle im innerbetrieblichen Verkehr sind in Österreichs Betrieben leider keine Seltenheit. Jeder dieser Unfälle ist einer zu viel. So kommt es zum Beispiel vor, dass einem Mitarbeiter mit einem Stapler über die Ferse gefahren wird – die Gründe für diese Art von Unfällen sind vielfältig und nicht immer trifft die Schuld den Staplerfahrer. Unsere Präventionsabteilung arbeitet intensiv daran, Arbeitnehmer und Arbeitgeber über die Entstehung dieser Unfälle aufzuklären, um künftige Unfälle vermeiden zu können. Wir wissen, dass viele Unfälle im innerbetrieblichen Verkehr mit unserer Wahrnehmung zu tun haben und damit, was wir sehen oder eben übersehen. Der Einsatz einer neuen Brille, dem sogenannten "View Point System" ermöglicht es, menschliche Wahrnehmung besser zu verstehen und so kritische Situationen frühzeitig zu erkennen", sagt DI Dr. Hannes Weißenbacher, Direktor der AUVA-Landesstelle Graz.

Gruppenbild mit Staplerfahrer Im Bild v.l.n.r.: Hannes Weißenbacher-Direktor der AUVA-Landesstelle Graz, Staplerfahrer im Einsatz mit der View Point Brille, Sylvia Peißl - Arbeitspsychologin der AUVA-Landesstelle Graz, Roland Prettner - GF Magna Presstec GmbH
(Copyright: AUVA/Lippitsch)


"Mit dem View Point System können wir grundsätzlich die menschliche Wahrnehmung und Aufmerksamkeit messen. Das View Point System ist eine Brille mit fünf Kameras, die sowohl die Augen des Trägers filmt als auch die Umgebung. Die Bilder der fünf Kameras werden übereinandergelegt und wir sehen, wo genau hat die Person hingeschaut. Ein Staplerfahrer setzt z. B. die Brille auf und wir sehen das, was er sieht. Zum Beispiel, ob er bei einer Kreuzung nach rechts und nach links schaut. Wir sehen auch, ob ein Verkehrsspiegel richtig montiert ist und auch verwendet wird. Wenn z. B. Palletten in einer Kreuzung gelagert werden, kann das die Sicht des Staplerfahrers massiv einschränken und ein Mitarbeiter, der um die Kurve kommt, ist so ganz schnell übersehen und ein Unfall passiert", sagt Dr. Sylvia Peißl, Arbeitspsychologin der AUVA-Landesstelle Graz.

"Die View Point Brille kann uns also helfen, kritische Situationen schon zu erkennen, bevor Unfälle passieren. Das ausgearbeitete Videomaterial wird für Sicherheitsschulungen im Betrieb verwendet. Dabei geht es nicht nur um die handelnde Person, sondern auch um den Arbeitsprozess.

Die Videos können in weiterer Folge für betriebsinterne Schulungen verwendet werden. Geschult werden können damit nicht nur die Staplerfahrer selbst. Alle Mitarbeiter können mit den Videos aus Sicht des Staplerfahrers sensibilisiert werden. Den Betrieb mit den Augen eines Staplerfahrers zu sehen, kann viel zur Bewusstseinsbildung beitragen. Vielen Mitarbeitern ist die eingeschränkte Sicht eines Staplerfahrers nämlich nicht bewusst, und sie verhalten sich nach dem Motto "der sieht mich eh", was aber leider nicht immer der Fall ist, wie die Unfallstatistik und die View Point Videos anschaulich zeigen."

Einsatz der Brille bei Magna Presstec

"Das Thema Arbeitssicherheit und die damit verbundene Unfallprävention sind einer der wichtigsten Eckpfeiler der MAGNA Presstec und tief in der Unternehmensvision verankert.

Das "View Point Systems" Projekt mit der AUVA hat einen weiteren, wichtigen Schritt dazu beigetragen, eines unserer Unternehmensziele "Null Arbeitsunfälle" zu erreichen.

Aufgrund des aufgenommenen und analysierten Videomaterials konnten wir kritische Situationen genauer beleuchten und folgende Sicherheitsmaßnahmen ableiten:

  1. Ein neuer Verkehrsspiegel wurde an einer Gefahrenstelle im Produktionsbereich montiert. So wird sichergestellt, dass dieser Bereich für Staplerfahrer und Maschinenbediener gleichermaßen einsehbar ist. 
  2. Die Abstellflächen für Behälter wurden neu markiert. So wird gewährleistet, dass Behälter an ihrem richtigen Platz abgestellt werden und es daher zu keinen Sichteinschränkungen kommt.
  3. Um das Telefonieren am Steuer des Staplers gefahrentechnisch zu entschärfen, werden aktuell spezielle Freisprecheinrichtungen getestet, die für den Produktionsbereich geeignet sind. Bis alle Staplerfahrer mit einer passenden Freisprecheinrichtung ausgestattet sind, gelten die gleichen Regeln wie im Straßenverkehr – rechts ranfahren und stehenbleiben beim Telefonieren." 

"Als Geschäftsführer der MAGNA Presstec bedanke ich mich für die gute Zusammenarbeit mit der AUVA. Ich bin überzeugt davon, dass dieses Projekt und die davon abgeleiteten Maßnahmen und Sicherheitsschulungen einen langfristigen, positiven Impact auf unseren Arbeitsalltag haben werden!", so Mag. Roland Prettner, Geschäftsführer der Magna Presstec GmbH.   

Mit dem Einsatz der View Point Brille kommen wir einem Verständnis menschlicher Wahrnehmung schon sehr nahe und können so den einen oder anderen Arbeitsunfall verhindern.