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09.01.2019, Linz: Schneemassen am Dach - "Finger weg"


Nach den heftigen Schneefällen in den vergangenen Tagen stehen manche Dächer unter starker Belastung. Beim Abschaufeln des Schnees passieren immer wieder auch schwere Unfälle.

Große Schneemassen stellen mitunter eine zu hohe Belastung für den Dachstuhl eines Hauses dar. Dieses Problem durch Abschaufeln in den Griff zu bekommen, birgt jedoch Gefahren für die am Dach arbeitende Person. Insbesondere bei Steildächern besteht das erhöhte Risiko eines Absturzes. Hingegen ist bei Flachdächern ein Durchbruch wahrscheinlicher.

Auf Grund der österreichischen Baugesetze und dem Normenwerk für Dächer ist Schneeräumen nur bei Extremwetterlagen notwendig. Die Bauwerke sind sowohl von der Lastannahme als auch von der Gebäudestatik für überdurchschnittliche Schneemassen konzipiert. Sollten Wetterkapriolen dennoch ein Abschaufeln von Dächern notwendig machen, ist größte Vorsicht geboten. 

Finger weg vom Dach

Sollte ein Entfernen der Schneelasten notwendig werden, sind Spezialisten heranzuziehen. Einsatzorganisationen, zum Beispiel die Feuerwehren, haben die Erfahrung und das entsprechende Equipment, dies sicher zu erledigen. 

„Ist es unvermeidbar aufs Dach zu steigen, sollte jeder – egal ob privat oder beruflich – entsprechende Sicherheitsmaßnahmen beachten, um sich selbst und auch andere vor Unfällen zu schützen“, rät Mag. Marina Pree-Candido, Direktorin der AUVA-Landesstelle Linz. 

AUVA-Sicherheitstipps

  • Vor dem Betreten des Daches
    • Welche Zusatzlasten treten auf und wie viele Schneeräumer können das Dach noch belasten?
    • Wo liegen Dacheinbauten und sind diese durchsturzsicher?  
    • Gibt es Sicherungssysteme und wo sind sie zu finden?
    • Bei größeren Dächern muss ein Fachmann die Räumrichtung und die Reihenfolge einer feldweisen Räumung festlegen.

      Diese Punkte sollten bereits im Vorfeld geklärt werden, so dass sie im Katastrophenfall kein Hindernis mehr darstellen. 

 

  • Beim Betreten des Daches
    • Dächer immer gesichert betreten (§ 87 BauV).
    • Das Dach nur mit Auffanggurt und angeseilt begehen.
    • Dacheinbauten und Dachaufbauten aus Kunststoff sind immer wie vollkommen offene Bereiche zu behandeln.
    • Steildächer sind auf Grund ihrer Geometrie für Abstürze prädestiniert.
    • Sind etwaige Sicherungssysteme unter den Schneemassen auffindbar und wenn ja, sind diese auch funktionsfähig? Wenn nicht, müssen Ersatzmaßnahmen getroffen werden, wie z.B. Seile, die über das Gebäude gespannt werden oder die Sicherung am stillgesetzten Kranhaken – dies aber nur streng nach den Regelungen in den
      D-A-CH-S Dokumenten [1].
    • Alleinarbeit ist strengstens verboten. Ist eine Person abgestürzt oder durchgebrochen und hängt sie in der Persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA), muss sie unverzüglich geborgen werden. Beim längeren Hängen ca. ab 10-20 Minuten besteht Lebensgefahr.
    • Gefahrenzonen im und rund um das Gebäude präventiv absichern, damit im Falle eines Durchbruches oder bei herunterfallenden Schneemassen keine anderen Personen verletzt werden.


Wichtig ist es, rechtzeitig alle baulichen und organisatorischen Maßnahmen zu treffen, um auch im Notfall das Dach sicher begehen zu können. Bei neu zu bauenden Objekten sollte durch eine sinnvolle Dimensionierung der Dachbauteile eine Schneeräumung praktisch nie notwendig werden. 


[1] D-A-CH-S ist ein internationales Gremium mit Experten aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol. Die Dokumente sind zu finden unter www.bauforumplus.eu/absturz