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Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema krebserzeugende Arbeitsstoffe

Hier finden Sie spezifische Fragen zu krebserzeugenden Arbeitsstoffen, die durch unsere Publikationen nicht abgedeckt sind.

Die Seite wird laufend um neu auftretende Fragen ergänzt!

Haben auch Sie Fragen zum Thema krebserzeugende Arbeitsstoffe, dann senden Sie diese bitte an:
E-Mail:  FAQkrebsgefahr@auva.at


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1,3-Butadien

Wie entsteht 1,3-Butadien bei der Arbeit mit ABS-Kunststoff? Wie gefährlich ist das und welche Schutzmaßnahmen sollte ich jedenfalls ergreifen?
Beim Wechsel des Materials oder bei der Beseitigung von Störungen ist ein Freispritzen der Düse erforderlich. Beim Freispritzen wird die Plastifiziereinheit durch das Zurückfahren von dem Werkzeug getrennt und der flüssige Kunststoff ausgespritzt. Dabei bildet sich ein sogenannter "Kuchen", der in der Regel mit einem Haken entfernt wird. 

Da der Kunststoff teilweise längere Zeit in der Heizeinheit verbleibt, kommt es hier häufig zu einer thermischen Zersetzung des Materials. Aus dem anschließend freigespritzten Kunststoff können Schadstoffe als Zersetzungsprodukte freigesetzt werden. Die Zersetzungstemperatur ist je nach Kunststoff unterschiedlich und kann im jeweiligen Sicherheitsdatenblatt nachgelesen werden. 

Bezüglich optimaler Verarbeitungsbedingungen wird auch auf das jeweilige Produktdatenblatt verwiesen.

Maßnahmen: 

  • Kontrolle und Einhaltung der Verfahrensparameter (u. a. Verarbeitungstemperatur, Verweilzeit in der Plastifiziereinheit, Schussgewicht, Verarbeitungsdruck),
  • Vortrocknen des Kunststoffgranulates,
  • störungsfreie Prozessführung
  • Verwendung einer wirksamen Absaugeinrichtung im Bereich der Spritzdüse
  • regelmäßige Wirksamkeitsprüfung der Absaugeinrichtungen mit Dokumentation 


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Asbest

Fragen und Antworten rund um das Thema Asbest finden Sie auf der Webseite der Arbeitsinspektion: linkAsbest - FAQs (www.arbeitsinspektion.gv.at) 


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Aromatische Amine und Nitrosamine

Was sind aromatische Amine?
Das sind ringförmige Verbindungen mit NH2-, NH- oder N–Gruppen. 

Man unterscheidet:

  • primäre Amine
    z. B. Anilin, CAS: 62-53-3 (das Stickstoffatom hat 2 Wasserstoffatome)
  • sekundäre Amine
    z. B. N-Methyl-Anilin, CAS: 100-61-8 (das Stickstoffatom hat nur 1 Wasserstoffatom)
    Achtung: aus sekundären Aminen können mit nitrosierenden Agenzien Nitrosamine entstehen.
  • tertiäre Amine
    z. B. N,N-Dimethyl-Anilin, CAS: 121-69-7 (das Stickstoffatom hat kein Wasserstoffatom)

 
Wo werden aromatische Amine Verwendet? 
Bei der Herstellung von Pestiziden, Pharmazeutika, Azofarbstoffe, Haarfärbemittel, Holzbeizmittel, in der Feuerfestindustrie, Bauindustrie, Metallindustrie, Textilindustrie, Druckindustrie, Lederindustrie.

Auch im Zigarettenrauch und in Dieselabgasen sind aromatische Amine enthalten. 

Wie gefährlich sind aromatische Amine?
Viele aromatische Amine sind als krebserzeugend eingestuft. 

Beruflicher Kontakt mit aromatischen Aminen wird für die Entstehung von Harnblasenkrebs verantwortlich gemacht. 

Können aromatische Amine auch entstehen?
Aromatische Amine können auch bei der unvollständigen Verbrennung unter Sauerstoffmangel bzw. durch Erhitzen von Polyurethan-Produkten (PU) entstehen.

Was sind N-Nitrosamine?
N-Nitrosamine sind organische Stickstoffverbindungen, die eine an den aminischen Stickstoff gebundene Nitrosogruppe (NO) enthalten. 

N-Nitrosamine entstehen in der Regel aus sekundären Aminen und nitrosierenden Agenzien. 

Was sind nitrosierende Agenzien? 

  • Nitrose Gase
  • organische Nitro- und Nitrosoverbindungen
  • Salpetrige Säure (HNO2) und deren Verbindungen
  • Nitrite, z. B. Natriumnitrit (NaNO2) und Kaliumnitrit (KNO2)
  • Nitrite durch chemische oder bakterielle Reduktion von Nitraten
  • Nitrit durch chemische oder bakterielle Oxidation von Ammoniak bzw. Ammoniumverbindungen (Nitrifikation)
  • Nitrosylhalogenide (z. B. NOCl, NOBr)

 

Das heißt, das gemeinsame Vorliegen von Aminen und nitrosierenden Verbindungen muss verhindert werden.

Wo werden Nitrosamine verwendet?
Nitrosamine werden nicht bewusst im Produktionsprozess eingesetzt. Sie können bei ungünstigen Bedingungen entstehen.

Die Bildung kann sowohl in der Luft am Arbeitsplatz als auch im Herstellungs- oder Anwendungsprozess stattfinden, so dass N-Nitrosamine auch aus dem Prozess, hergestellten Stoffen, Gemischen oder Erzeugnissen freigesetzt werden können. Grundsätzlich können alle sekundären Amine zu N-Nitrosaminen umgesetzt werden.

Ist mit dem Auftreten von krebserzeugenden N-Nitrosaminen zu rechnen, ist von einer hohen potentiellen Gefährdung auszugehen.

Wo können Nitrosamine vorkommen?

  • Metallindustrie:
    • Herstellung und Verwendung von Korrosionsschutzmitteln einschl. VCI ("volatile corrosion inhibitor")-Materialien
    • Tätigkeiten mit Korrosionsschutzmitteln und Handhabung von korrosionsgeschützten Metallteilen einschl. VCI- Materialien, die sekundäre Amine oder Nitrit enthalten (siehe TRGS 615)
    • Einsatz von wassergemischten Kühlschmierstoffen (KSS)
      Einsatz von wassergemischten KSS, die nicht der TRGS 611 entsprechen und sek. Amine enthalten können (siehe TRGS 611) 
  • Gießereiindustrie:
    • Verwendung von Kernen, die mit aminischen Katalysatoren hergestellt wurden.
      Gießen, Abkühlen sowie die anschließende Entfernung von Formsand und Rückständen, insbesondere aus den Kernen.
  • Gummiindustrie:
    • Abwiegen, Mischen, Halbzeugverarbeitung, Vulkanisation, Nachbehandlung, Lagerung, Kalander, Extrusionsanlagen, Salzbäder, Vulkanisation, Formen, Kontrolle, Lagerung technischer Gummiartikel sowie von Reifen, Verarbeitung von Emulsionspolymerisaten
    • Tätigkeiten mit Gummiartikeln; Bearbeitung und Lagerung technischer Gummiartikel
  • Chemische Industrie:
    • Herstellung und Verwendung von Aminen, Befüll-, Umfüll- und Abfüllarbeiten von Aminen, Herstellung von Polyacrylnitrilfasern, Beschichtungen nach dem Koagulationsverfahren
    • Herstellung und Verwendung von sekundären Aminen und Lösemitteln wie Dimethylformamid und Dimethylacetamid

Welche Gefahr geht von Nitrosaminen im Formsand aus? Worauf muss ich achten? 
Nitrosamine sind stark krebserzeugend. Jeglicher Kontakt muss vermieden werden.

Wenn keine sekundären Amine verwendet werden, entstehen auch keine Nitrosamine. Daher ist bei der Wahl des Katalysators darauf zu achten, dass keine sekundären Amine enthalten sind.


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Dieselmotoremissionen

Dürfen motorkraftbetriebene Flurförderzeuge (z. B. Dieselstapler) in geschlossenen Räumen (Hallen) verwendet werden?
Es dürfen nur Flurförderzeuge mit Elektromotor, mit Flüssiggasantrieb oder Dieselstapler mit Partikelfilter in geschlossenen Räumen verwendet werden. Nähere Informationen siehe ZAI-Erlass 461.208/104-III/3/02.


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Formaldehyd (Holz)

Welches zusätzliche Krebspotential haben formaldehydhaltige Platten, die im Holzzuschnitt verwendet werden? Muss wegen der möglichen formaldehydhaltigen Dämpfe zusätzlich etwas bei der Ausstattung von Absauganlagen berücksichtigt werden?
Nach bisherigen Erfahrungen ist das Thema Formaldehyd beim Holzzuschnitt nicht relevant, sofern die Platten lange genug abgelegen sind.


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Grenzwerte

Warum haben nicht alle krebserzeugenden oder krebsverdächtigen Arbeitsstoffe einen TRK-Wert?
Für bestimmte krebserzeugende Arbeitsstoffe kann eine Wirkschwelle abgeleitet werden. Erst ab dieser Schwelle wird im Körper ein Mechanismus ausgelöst, der zur Krebsentstehung führt. Wird diese Schwelle nicht überschritten, kann also die Krebserkrankung verhindert werden.

Es gibt auch Arbeitsstoffe, für die der Gesetzgeber noch keinen Grenzwert festgelegt hat, obwohl eine krebserzeugende Wirkung bekannt ist. Dies kann beispielsweise vorkommen, wenn Arbeitsstoffe nur sehr selten Verwendung finden und wirtschaftlich nicht von Bedeutung sind. (Auch viele andere chronisch schädliche Stoffe haben keinen Grenzwert!). Für die Gefährdungsermittlung und -beurteilung der Arbeit mit Arbeitsstoffen ohne Grenzwert müssen andere Methoden als die Vergleichsmessung herangezogen werden. Hier empfehlen sich zum Beispiel Control Banding-Ansätze wie der „Stoffenmanager®“ oder das „Einfache Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe“ (EMKG).

Wie können künftig Grenzwerte, welche ja auf einen 8-Stunden-Tag bezogen sind, vor dem Hintergrund des 12-Stunden-Tages Tages beurteilt werden? Was bedeutet das für die Evaluierung?
Das Zentral-Arbeitsinspektorat hat im Februar 2019 einen Erlass zur Anpassung von Grenzwerten herausgegeben, der sich genau mit diesem Thema auseinandersetzt. Er enthält auch Berechnungsmodelle, mit dem Grenzwerte auf 12-Stunden-Tage angepasst werden können.

Was ist der Unterschied zwischen MAK- und TRK-Wert?
Die Konzentration von gefährlichen Arbeitsstoffen als Gas, Dampf oder Schwebstoff in der Luft am Arbeitsplatz wird mit Hilfe von Grenzwerten beurteilt. In Österreich gibt es zwei verschiedene Arten von Grenzwerten: die Maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK-Wert) und die Technische Richtkonzentration (TRK-Wert). Alle Grenzwerte sind in der Grenzwerteverordnung (GKV) verbindlich festgelegt.

MAK-Werte sind Schwellenwerte. Werden diese unterschritten, dann sind im Allgemeinen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten.

TRK-Werte sind keine Schwellenwerte. Sie richten sich nach der "technischen Machbarkeit" (also der geringstmöglichen Konzentration eines Arbeitsstoffes in der Luft, die nach dem derzeitigen Stand der Technik erreicht werden kann). Auch wenn TRK-Werte eingehalten werden, kann daher keine Aussage darüber getroffen werden, ob bzw. wie wahrscheinlich eine gesundheitliche Schädigung durch den Stoff eintritt.

TRK-Werte werden nur für jene gefährlichen Arbeitsstoffe festgesetzt, für die nach dem jeweiligen Stand der Wissenschaft keine toxikologisch-arbeitsmedizinisch begründeten MAK-Werte aufgestellt werden können. Das trifft auf die meisten krebserzeugenden und mutagenen Arbeitsstoffe zu.

Daher gilt für Stoffe mit MAK- und TRK-Werten lt. ASchG gleichzeitig das sogenannte Minimierungsgebot:

  • TRK-Werte: Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass TRK-Werte stets möglichst weit unterschritten werden.
  • MAK-Werte: Arbeitgeber müssen anstreben, MAK-Werte möglichst weit zu unterschreiten.


Mehr Informationen zu Grenzwerten finden Sie auf der Website der Arbeitsinspektion:
linkAllgemeines zu Arbeitsstoffen (www.arbeitsinspektion.gv.at) 

Was steht hinter dem Konzept der risikobasierten Grenzwerte? Und wie ist der Stand dazu in Österreich?
Es gibt Arbeitsstoffe (beispielsweise krebserzeugende), für die keine toxikologische Wirkschwelle angegeben werden kann, also keine Dosis ohne negative Effekte auf die Gesundheit. Für diese Stoffe lässt sich daher auch kein Arbeitsplatzgrenzwert ableiten, mit dem Gesundheitsschäden sicher verhindert werden können.

Um trotzdem höchstmögliche Sicherheit im Umgang mit diesen Stoffen zu erzielen, gelten in Österreich derzeit TRK-Werte (Technische Richtkonzentration) als Grenzwerte. Sie orientieren sich vor allem am Stand der Produktions- und Lüftungstechnik zum Zeitpunkt der TRK-Wertfestlegung bzw. an der Flüchtigkeit des jeweiligen Arbeitsstoffs.

Risikobasierte Grenzwerte sind ein alternativer, transparenter Zugang zur Grenzwertproblematik für solche Substanzen. Wie leitet man nun einen risikobasierten Grenzwert ab? Erstens muss in einem gesellschaftspolitischen Diskurs definiert werden, wie hoch das zusätzliche, durch die Arbeit bedingte Risiko durch den betreffenden Stoff an Krebs zu erkranken, sein darf. Dieser für die Gesamtgesellschaft gerade noch hinnehmbare und sehr niedrige zusätzliche Risikofaktor gilt dann - unabhängig vom Arbeitsstoff und vom industriellen Verfahren - für alle Beschäftigten gleichermaßen. Zweitens muss man durch Studien feststellen, welche Belastungen durch krebserzeugende Substanzen mit welchem Risiko an Krebs zu erkranken einhergehen, um in Kombination mit dem festgelegten "akzeptierten zusätzlichen Risikofaktor" konkrete risikobasierte Grenzwerte errechnen zu können.

In Deutschland hat man sich beispielsweise unter Teilnahme aller Beteiligten (Vertreter der Wirtschaft, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, der Regierung etc.) auf einen akzeptierten zusätzlichen Risikofaktor von 4:100.000 (bzw. 1:25.000) geeinigt. Das bedeutet: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ein Arbeitsleben lang 8 Stunden täglich für ca. 200 Tage im Jahr mit einem Stoff bei der Konzentration des risikobasierten Grenzwertes arbeiten, haben ein Risiko von 1:25.000 dadurch an Krebs zu erkranken. Die österreichischen. TRK-Werte bedeuten in fast allen Fällen ein deutlich höheres Krebsrisiko für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

In Österreich wurde daher ein ähnliches Konzept wie jenes der risikobasierten Grenzwerte in Deutschland erarbeitet. Die Verhandlungen dazu sind noch am Laufen.


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Holzstaub

Gibt es für Holzstaub ein Sicherheitsdatenblatt?
Holzstaub ist ein bei der Bearbeitung von Holz anfallender gefährlicher Arbeitsstoff. Sicherheitsdatenblätter müssen Lieferanten nur bei jenen Produkten zur Verfügung stellen, die dem Chemikalienrecht unterliegen.

Ist nur Holzstaub von Hartholzarten krebserzeugend?
Nein, alle Stäube von Hölzern, die im Anhang V der Grenzwerteverordnung (GKV) aufgezählt sind, gelten als eindeutig krebserzeugend. Derzeit sind in dieser Liste ca. 30 Holzarten aufgezählt, wobei dies nicht nur "Harthölzer" sind. Alle anderen Holzstäube gelten als Arbeitsstoffe mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potenzial. (GKV, Anhang IIIC)


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Isocyanate

Sind alle Isocyanate krebserzeugend?
Nein, lediglich Diisocyanate gelten als krebsverdächtig. Häufig eingesetzte Diisocyanate, die als krebsverdächtig gelten, sind MDI (Methylendiphenyldiisocyanat) und TDI (Toluoldiisocyanat). Wobei nicht die krebsverdächtige, sondern die allergieauslösende Wirkung von Isocyanaten im Vordergrund steht. Grund dafür ist, dass die Einstufung als "krebsverdächtig" auf Erfahrungen mit chronischer Entzündung der Atemwege durch langjähriges Einatmen von Isocyanat-Konzentrationen weit über dem MAK-Wert basiert. Meist kommen MDI und TDI jedoch in geringer Konzentration in Gemischen vor.

Der Hautkontakt ist allerdings bei allen Isocyanaten unbedingt zu vermeiden! Denn der Hautkontakt (z. B. wiederholte Spritzer auf die ungeschützte Haut) kann auf indirektem Weg dazu führen, dass zu einem späteren Zeitpunkt (nach Wochen, Monaten, Jahren etc.) bei neuerlicher Einwirkung von Isocyanat, vor allem auf die Atemwege, eine Asthma-Erkrankung ausbricht.

MDI und TDI werden z. B. bei der Produktion von Klebstoffen und PU-Schäumen sowie von Lacken eingesetzt. Aus isocyanathältigen Gussmassen stellt man Formteile, Halbzeuge und Beschichtungen her.

Für MDI und TDI sind verschiedene Namen und CAS-Nummern in Verwendung:

MDI:

  • CAS 101-68-8
  • CAS 2536-05-2
  • CAS 5873-54-1
  • CAS 26447-40-5 

TDI:

  • CAS 91-08-7
  • CAS 584-84-9
  • CAS 26471-62-5

Mehr Informationen dazu im AUVA-Merkblatt:
linkM.plus 361 Sicherer Umgang mit isocyanathältigen Arbeitsstoffen 

Was muss im Umgang mit PU-Schäumen beachtet werden?
PU-Schäume enthalten als Isocyanat am häufigsten MDI (Methylendiphenyldiisocyanat). Wegen des äußerst geringen Dampfdrucks von MDI besteht bei Anwendung bei Raumtemperatur keine Gefährdung durch eine Aufnahme über die Luft. Aufgrund der sensibilisierenden (allergieauslösenden) Eigenschaften ist es jedoch wichtig, den Hautkontakt zu vermeiden.

Mehr Informationen dazu im AUVA-Merkblatt:
linkM.plus 361 Sicherer Umgang mit isocyanathältigen Arbeitsstoffen 


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Quarzstaub

Kann die Belastung durch Quarzstaub zu einer Krebserkrankung führen?
Die IARC und die deutsche MAK-Kommission stufen Quarzstaub als krebserzeugend ein.
linkList of classifications (monographs.iarc.fr) 

"Aus den epidemiologischen Untersuchungen ergibt sich ein Zusammenhang zwischen Quarzstaub‐Exposition und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu erkranken. An der Ratte führte Quarz nach inhalativer und intratrachealer Applikation ebenfalls zur Entwicklung von Lungentumoren. Daher wird Quarz in die Kanzerogenitätskategorie 1 des Abschnittes III der MAK‐ und BAT‐Werte‐Liste eingestuft.

Die epidemiologischen Studien zeigen, daß die Lungenkrebshäufigkeit vor allem bei Arbeitern mit einer Silikose erhöht ist. Zur Reduzierung des Krebsrisikos ist daher in erster Linie auf eine Verhinderung der Silikose zu achten."
linkDeutsche MAK-Kommission (onlinelibrary.wiley.com) 


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Pflichten der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber (Aufzeichnungen, Meldungen, VGÜ etc.)

Gibt es bei im Arbeitsprozess entstehenden bzw. anfallenden krebserzeugenden Arbeitsstoffen Ausnahmen von der Meldeverpflichtung an die Arbeitsinspektion vor erstmaliger Verwendung (§ 42 Abs. 5 ASchG)?
Nein! Aber bei Tischlern weiß man sicher, dass sie bei ihrer Arbeitstätigkeit mit Holzstaub in Berührung kommen. Deshalb kann NUR hier und NUR bezogen auf Holzstaub von einer Meldung abgesehen werden. Handelt es sich um andere eindeutig krebserzeugende Stoffe als den Holzstaub, so ist jedenfalls vor der erstmaligen Verwendung eine Meldung zu tätigen.

Die GKV sieht allerdings unter § 11 Z 2 eine Ausnahme für Arbeitsstoffe mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potenzial vor (z. B. Stoffe, die mit H351 gekennzeichnet sind). 

Wie muss das "Verzeichnis der Arbeitnehmer" (= ein Verzeichnis aller exponierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer) geführt werden? An wen ist das Verzeichnis zu übermitteln?
Wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit eindeutig krebserzeugenden oder krebsverdächtigen, erbgutverändernden, fortpflanzungsgefährdenden oder biologischen Arbeitsstoffen der Gruppe 3 oder 4 arbeiten, dann müssen diese Personen von der Arbeitgeberin bzw. vom Arbeitgeber in einem Verzeichnis erfasst sein (§ 47 Abs 3 ASchG). Das Verzeichnis muss für jede Arbeitnehmerin und jeden Arbeitnehmer folgende Angaben enthalten:

  1. Name, Geburtsdatum, Geschlecht,
  2. Bezeichnung der Arbeitsstoffe,
  3. Art der Gefährdung,
  4. Art und Dauer der Tätigkeit,
  5. Datum und Ergebnis von Messungen im Arbeitsbereich, soweit vorhanden,
  6. Angaben zur Exposition und
  7. Unfälle und Zwischenfälle im Zusammenhang mit diesen Arbeitsstoffen.

Das Verzeichnis ist bis zum Ende der Exposition aufzubewahren und danach an den zuständigen Träger der Unfallversicherung zu übermitteln.

Auf der Website der Arbeitsinspektion finden sich weitere Informationen sowie ein Beispiel für die Gestaltung des "Verzeichnisses der Arbeitnehmer" unter:
linkKrebserzeugende Arbeitsstoffe - www.arbeitsinspetkion.gv.at

linkGestaltungsbeispiel "Verzeichnis der Arbeitnehmer" - www.arbeitspinspektion.gv.at 

Wenn ich bemerke, dass bereits länger krebserzeugende Stoffe im Betrieb verwendet werden, kann ich das auch nachträglich an die Arbeitsinspektion melden?
Laut eigener Auskunft der Arbeitsinspektion ist das nachträgliche Melden besser als kein Melden. Wichtig ist jedenfalls das Wissen im Betrieb, dass krebserzeugende Arbeitsstoffe verwendet werden und welche gesetzlichen Regelungen dazu bestehen.

Nähere Informationen dazu auf der Website der Arbeitsinspektion unter: 
linkKrebserzeugende Arbeitsstoffe - www.arbeitsinspetkion.gv.at


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Schutz jugendlicher Lehrlinge/Praktikanten

Was ist bei der Beschäftigung von jugendlichen Lehrlingen in Bezug auf krebserzeugende Arbeitsstoffe zu beachten?
Jugendliche Lehrlinge (also Jugendliche, die sich in einem Ausbildungsverhältnis befinden) dürfen Arbeiten mit krebserzeugenden Arbeitsstoffen ausschließlich unter Aufsicht durchführen. Allerdings nur, wenn die Durchführung dieser Arbeiten für die Vermittlung der wesentlichen Fertigkeiten und Kenntnisse nach den Ausbildungsvorschriften unbedingt erforderlich ist.

Aufsicht im Sinne der KJBG-Verordnung ist die Überwachung durch eine geeignete fachkundige Person, die jederzeit unverzüglich zum Eingreifen bereitstehen muss.

Was ist bei der Beschäftigung von jugendlichen Praktikanten in Bezug auf krebserzeugende Arbeitsstoffe zu beachten?
Als jugendliche Praktikanten gelten Personen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres, die sich nicht in einem Ausbildungsverhältnis befinden.

Arbeiten mit krebserzeugenden bzw. auch mit gefährlichen Arbeitsstoffen sind für jugendliche Praktikanten daher verboten. Ausnahme: Die gefährlichen Arbeitsstoffe können nur in so geringem Ausmaß zur Einwirkung gelangen, dass nach arbeitsmedizinischen Erfahrungen eine Schädigung der Gesundheit nicht zu erwarten ist, oder die Stoffe werden so verwendet (beispielsweise in einer Apparatur), dass ein Entweichen in den Arbeitsraum während des normalen Arbeitsvorganges nicht möglich ist. Um festzustellen, ob dies gewährleistet werden kann, ist eine Evaluierung nötig.


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Substitution (Ersatzstoffe und -verfahren)

Wo kann ich mich über Ersatzstoffe oder Ersatzverfahren informieren?
Die kostenlose Plattform „Substitution Support Portal“ SUBSPORTplus bietet Informationen über Ersatzstoffe bzw. -verfahren. Unternehmen finden dort zudem Leitlinien für die Bewertung von Stoffen und das Substitutionsmanagement sowie Unterstützung bei der Erfüllung der Substitutionsauflagen nach EU-Recht.

Weitere Informationen erhalten Sie über Präventivfachkräfte oder Hersteller.
SUBSPORTplus: www.subsportplus.eu


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Anverwandte Themen (Strahlung, CMR-Stoffe, Passivrauchen etc.)

Warum wurden in den AUVA-Präventionsschwerpunkt erbgutverändernde bzw. fortpflanzungsgefährdende Arbeitsstoffe nicht mitaufgenommen?
In den letzten Jahren wurden krebserzeugende Arbeitsstoffe im EU-Raum zunehmend in den Fokus gerückt. Auslöser dafür waren insbesondere Studien zum Ausmaß arbeitsbedingter Krebserkrankungen. Diese waren Anlass für die Europäische Initiative „Roadmap on Carcinogens“, an der unter anderem das Österreichische Sozialministerium beteiligt ist. Damit wurde auch die politische Diskussion neu belebt, was sich in Änderungen der EU-Krebsrichtlinie niederschlägt. Dadurch soll die Exposition am Arbeitsplatz gegenüber mehreren krebserzeugenden Stoffen begrenzt werden.

Da klar umrissene Zielsetzungen und ein entsprechend eingegrenztes Themenspektrum Grundlage für eine erfolgreiche Kampagne sind, hat sich die AUVA entschlossen, ihren Präventionsschwerpunkt auf krebserzeugende Arbeitsstoffe zu fokussieren. Durch die Thematisierung möglicher Probleme im Umgang mit krebserzeugenden Arbeitsstoffen und die damit einhergehende Sensibilisierung erwarten wir uns eine positive Breitenwirkung auf den sicheren Umgang mit gefährlichen Arbeitsstoffen insgesamt.

Ist Krebs aufgrund von Passivrauchen in der Gastronomie eine Berufskrankheit? Gibt es hier Anerkennungen?
Das Passivrauchen (in der Gastronomie) ist in der österreichischen Liste der Berufskrankheiten nicht enthalten. Eine Meldung als Berufskrankheit und eine Anerkennung sind jedoch nach der sogenannten "Generalklausel" (§ 177 Abs 2 ASVG) möglich. Bisher gibt es in Österreich keinen anerkannten Fall von Lungenkrebs aufgrund von Passivrauchen.