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Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema krebserzeugende Arbeitsstoffe

Hier finden Sie spezifische Fragen zu krebserzeugenden Arbeitsstoffen, die durch unsere Publikationen nicht abgedeckt sind.

Die Seite wird laufend um neu auftretende Fragen ergänzt!

Haben auch Sie Fragen zum Thema krebserzeugende Arbeitsstoffe, dann senden Sie diese bitte an:
E-Mail:  FAQkrebsgefahr@auva.at


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1,3-Butadien

Wie entsteht 1,3-Butadien bei der Arbeit mit ABS-Kunststoff? Wie gefährlich ist das und welche Schutzmaßnahmen sollte ich jedenfalls ergreifen?

Beim Wechsel des Materials oder bei der Beseitigung von Störungen ist ein Freispritzen der Düse erforderlich. Beim Freispritzen wird die Plastifiziereinheit durch das Zurückfahren von dem Werkzeug getrennt und der flüssige Kunststoff ausgespritzt. Dabei bildet sich ein sogenannter "Kuchen", der in der Regel mit einem Haken entfernt wird. 

Da der Kunststoff teilweise längere Zeit in der Heizeinheit verbleibt, kommt es hier häufig zu einer thermischen Zersetzung des Materials. Aus dem anschließend freigespritzten Kunststoff können Schadstoffe als Zersetzungsprodukte freigesetzt werden. Die Zersetzungstemperatur ist je nach Kunststoff unterschiedlich und kann im jeweiligen Sicherheitsdatenblatt nachgelesen werden. 

Bezüglich optimaler Verarbeitungsbedingungen wird auch auf das jeweilige Produktdatenblatt verwiesen.

Maßnahmen: 

  • Kontrolle und Einhaltung der Verfahrensparameter (u. a. Verarbeitungstemperatur, Verweilzeit in der Plastifiziereinheit, Schussgewicht, Verarbeitungsdruck),
  • Vortrocknen des Kunststoffgranulates,
  • störungsfreie Prozessführung
  • Verwendung einer wirksamen Absaugeinrichtung im Bereich der Spritzdüse
  • regelmäßige Wirksamkeitsprüfung der Absaugeinrichtungen mit Dokumentation 


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Asbest

Fragen und Antworten rund um das Thema Asbest finden Sie auf der Webseite der Arbeitsinspektion:

linkAsbest - FAQs (www.arbeitsinspektion.gv.at) 


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Aromatische Amine und Nitrosamine

Was sind aromatische Amine?

Das sind ringförmige Verbindungen mit NH2-, NH- oder N–Gruppen. 

Man unterscheidet:

  • primäre Amine
    z. B. Anilin, CAS: 62-53-3 (das Stickstoffatom hat 2 Wasserstoffatome)
  • sekundäre Amine
    z. B. N-Methyl-Anilin, CAS: 100-61-8 (das Stickstoffatom hat nur 1 Wasserstoffatom)
    Achtung: aus sekundären Aminen können mit nitrosierenden Agenzien Nitrosamine entstehen.
  • tertiäre Amine
    z. B. N,N-Dimethyl-Anilin, CAS: 121-69-7 (das Stickstoffatom hat kein Wasserstoffatom)

 
Wo werden aromatische Amine Verwendet?

Bei der Herstellung von Pestiziden, Pharmazeutika, Azofarbstoffe, Haarfärbemittel, Holzbeizmittel, in der Feuerfestindustrie, Bauindustrie, Metallindustrie, Textilindustrie, Druckindustrie, Lederindustrie.

Auch im Zigarettenrauch und in Dieselabgasen sind aromatische Amine enthalten. 

Wie gefährlich sind aromatische Amine?

Viele aromatische Amine sind als krebserzeugend eingestuft. 

Beruflicher Kontakt mit aromatischen Aminen wird für die Entstehung von Harnblasenkrebs verantwortlich gemacht. 

Können aromatische Amine auch entstehen?

Aromatische Amine können auch bei der unvollständigen Verbrennung unter Sauerstoffmangel bzw. durch Erhitzen von Polyurethan-Produkten (PU) entstehen.

Was sind N-Nitrosamine?

N-Nitrosamine sind organische Stickstoffverbindungen, die eine an den aminischen Stickstoff gebundene Nitrosogruppe (NO) enthalten. 

N-Nitrosamine entstehen in der Regel aus sekundären Aminen und nitrosierenden Agenzien. 

Was sind nitrosierende Agenzien?

  • Nitrose Gase
  • organische Nitro- und Nitrosoverbindungen
  • Salpetrige Säure (HNO2) und deren Verbindungen
  • Nitrite, z. B. Natriumnitrit (NaNO2) und Kaliumnitrit (KNO2)
  • Nitrite durch chemische oder bakterielle Reduktion von Nitraten
  • Nitrit durch chemische oder bakterielle Oxidation von Ammoniak bzw. Ammoniumverbindungen (Nitrifikation)
  • Nitrosylhalogenide (z. B. NOCl, NOBr)

 

Das heißt, das gemeinsame Vorliegen von Aminen und nitrosierenden Verbindungen muss verhindert werden.

Wo werden Nitrosamine verwendet?

Nitrosamine werden nicht bewusst im Produktionsprozess eingesetzt. Sie können bei ungünstigen Bedingungen entstehen.

Die Bildung kann sowohl in der Luft am Arbeitsplatz als auch im Herstellungs- oder Anwendungsprozess stattfinden, so dass N-Nitrosamine auch aus dem Prozess, hergestellten Stoffen, Gemischen oder Erzeugnissen freigesetzt werden können. Grundsätzlich können alle sekundären Amine zu N-Nitrosaminen umgesetzt werden.

Ist mit dem Auftreten von krebserzeugenden N-Nitrosaminen zu rechnen, ist von einer hohen potentiellen Gefährdung auszugehen.

Wo können Nitrosamine vorkommen?

  • Metallindustrie:
    • Herstellung und Verwendung von Korrosionsschutzmitteln einschl. VCI ("volatile corrosion inhibitor")-Materialien
    • Tätigkeiten mit Korrosionsschutzmitteln und Handhabung von korrosionsgeschützten Metallteilen einschl. VCI- Materialien, die sekundäre Amine oder Nitrit enthalten (siehe TRGS 615)
    • Einsatz von wassergemischten Kühlschmierstoffen (KSS)
      Einsatz von wassergemischten KSS, die nicht der TRGS 611 entsprechen und sek. Amine enthalten können (siehe TRGS 611) 
  • Gießereiindustrie:
    • Verwendung von Kernen, die mit aminischen Katalysatoren hergestellt wurden.
      Gießen, Abkühlen sowie die anschließende Entfernung von Formsand und Rückständen, insbesondere aus den Kernen.
  • Gummiindustrie:
    • Abwiegen, Mischen, Halbzeugverarbeitung, Vulkanisation, Nachbehandlung, Lagerung, Kalander, Extrusionsanlagen, Salzbäder, Vulkanisation, Formen, Kontrolle, Lagerung technischer Gummiartikel sowie von Reifen, Verarbeitung von Emulsionspolymerisaten
    • Tätigkeiten mit Gummiartikeln; Bearbeitung und Lagerung technischer Gummiartikel
  • Chemische Industrie:
    • Herstellung und Verwendung von Aminen, Befüll-, Umfüll- und Abfüllarbeiten von Aminen, Herstellung von Polyacrylnitrilfasern, Beschichtungen nach dem Koagulationsverfahren
    • Herstellung und Verwendung von sekundären Aminen und Lösemitteln wie Dimethylformamid und Dimethylacetamid

Welche Gefahr geht von Nitrosaminen im Formsand aus? Worauf muss ich achten?

Nitrosamine sind stark krebserzeugend. Jeglicher Kontakt muss vermieden werden.

Wenn keine sekundären Amine verwendet werden, entstehen auch keine Nitrosamine. Daher ist bei der Wahl des Katalysators darauf zu achten, dass keine sekundären Amine enthalten sind.


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Formaldehyd (Holz)

Welches zusätzliche Krebspotential haben formaldehydhaltige Platten, die im Holzzuschnitt verwendet werden? Muss wegen der möglichen formaldehydhaltigen Dämpfe zusätzlich etwas bei der Ausstattung von Absauganlagen berücksichtigt werden?

Nach bisherigen Erfahrungen ist das Thema Formaldehyd beim Holzzuschnitt nicht relevant, sofern die Platten lange genug abgelegen sind.


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Grenzwerte

Wie können künftig Grenzwerte, welche ja auf einen 8-Stunden-Tag bezogen sind, vor dem Hintergrund des 12-Stunden-Tages Tages beurteilt werden? Was bedeutet das für die Evaluierung?

Das Zentral-Arbeitsinspektorat hat im Februar 2019 einen Erlass zur Anpassung von Grenzwerten herausgegeben, der sich genau mit diesem Thema auseinandersetzt. Er enthält auch Berechnungsmodelle, mit dem Grenzwerte auf 12-Stunden-Tage angepasst werden können.

Was ist der Unterschied zwischen MAK- und TRK-Wert?

Die Konzentration von gefährlichen Arbeitsstoffen als Gas, Dampf oder Schwebstoff in der Luft am Arbeitsplatz wird mit Hilfe von Grenzwerten beurteilt. In Österreich gibt es zwei verschiedene Arten von Grenzwerten: die Maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK-Wert) und die Technische Richtkonzentration (TRK-Wert). Alle Grenzwerte sind in der Grenzwerteverordnung (GKV) verbindlich festgelegt.

MAK-Werte sind Schwellenwerte. Werden diese unterschritten, dann sind im Allgemeinen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten.

TRK-Werte sind keine Schwellenwerte. Sie richten sich nach der "technischen Machbarkeit" (also der geringstmöglichen Konzentration eines Arbeitsstoffes in der Luft, die nach dem derzeitigen Stand der Technik erreicht werden kann). Auch wenn TRK-Werte eingehalten werden, kann daher keine Aussage darüber getroffen werden, ob bzw. wie wahrscheinlich eine gesundheitliche Schädigung durch den Stoff eintritt.

TRK-Werte werden nur für jene gefährlichen Arbeitsstoffe festgesetzt, für die nach dem jeweiligen Stand der Wissenschaft keine toxikologisch-arbeitsmedizinisch begründeten MAK-Werte aufgestellt werden können. Das trifft auf die meisten krebserzeugenden und mutagenen Arbeitsstoffe zu.

Daher gilt für Stoffe mit MAK- und TRK-Werten lt. ASchG gleichzeitig das sogenannte Minimierungsgebot:

  • TRK-Werte: Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass TRK-Werte stets möglichst weit unterschritten werden.
  • MAK-Werte: Arbeitgeber müssen anstreben, MAK-Werte möglichst weit zu unterschreiten.


Mehr Informationen zu Grenzwerten finden Sie auf der Website der Arbeitsinspektion:

linkAllgemeines zu Arbeitsstoffen (www.arbeitsinspektion.gv.at) 


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Holzstaub

Gibt es für Holzstaub ein Sicherheitsdatenblatt?

Holzstaub ist ein bei der Bearbeitung von Holz anfallender gefährlicher Arbeitsstoff. Sicherheitsdatenblätter gibt es nur für von Lieferanten erhaltene Produkte, die dem Chemikalienrecht unterliegen. Händler von Holzstäuben bieten manchmal auch Sicherheitsdatenblätter an. 

z. B. linkSicherheitsdatenblatt (www.c-schliessmann.de) 

Ist nur Holzstaub von Hartholzarten krebserzeugend?

Nein, alle Stäube von Hölzern, die im Anhang V der Grenzwerteverordnung (GKV) aufgezählt sind, gelten als eindeutig krebserzeugend. Derzeit sind in dieser Liste ca. 30 Holzarten aufgezählt, wobei dies nicht nur "Harthölzer" sind. Alle anderen Holzstäube gelten als Arbeitsstoffe mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potenzial. (GKV, Anhang IIIC)


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Meldeverpflichtung bei entstehenden Stoffen

Gibt es bei im Arbeitsprozess entstehenden bzw. anfallenden krebserzeugenden Arbeitsstoffen Ausnahmen von der Meldeverpflichtung an die Arbeitsinspektion vor erstmaliger Verwendung (§ 42 Abs. 5 ASchG)?

Nein! Aber bei Tischlern weiß man sicher, dass sie bei ihrer Arbeitstätigkeit mit Holzstaub in Berührung kommen. Deshalb kann NUR hier und NUR bezogen auf Holzstaub von einer Meldung abgesehen werden. Handelt es sich um andere eindeutig krebserzeugende Stoffe als den Holzstaub, so ist jedenfalls vor der erstmaligen Verwendung eine Meldung zu tätigen.

Die GKV sieht allerdings unter § 11 Z 2 eine Ausnahme für Arbeitsstoffe mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potenzial vor (z. B. Stoffe, die mit H351 gekennzeichnet sind). 


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Stapler geschlossene Räume

Dürfen motorkraftbetriebene Flurförderzeuge (z. B. Dieselstapler) in geschlossenen Räumen (Hallen) verwendet werden?

Es dürfen nur Flurförderzeuge mit Elektromotor, mit Flüssiggasantrieb oder Dieselstapler mit Partikelfilter in geschlossenen Räumen verwendet werden. Nähere Informationen siehe ZAI-Erlass 461.208/104-III/3/02.


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Quarzstaub

Kann die Belastung durch Quarzstaub zu einer Krebserkrankung führen?

Die IARC und die deutsche MAK-Kommission stufen Quarzstaub als krebserzeugend ein.

linkList of classifications (monographs.iarc.fr)

"Aus den epidemiologischen Untersuchungen ergibt sich ein Zusammenhang zwischen Quarzstaub‐Exposition und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu erkranken. An der Ratte führte Quarz nach inhalativer und intratrachealer Applikation ebenfalls zur Entwicklung von Lungentumoren. Daher wird Quarz in die Kanzerogenitätskategorie 1 des Abschnittes III der MAK‐ und BAT‐Werte‐Liste eingestuft.

Die epidemiologischen Studien zeigen, daß die Lungenkrebshäufigkeit vor allem bei Arbeitern mit einer Silikose erhöht ist. Zur Reduzierung des Krebsrisikos ist daher in erster Linie auf eine Verhinderung der Silikose zu achten."

linkDeutsche MAK-Kommission (onlinelibrary.wiley.com) 


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Anverwandte Themen (Strahlung, CMR-Stoffe, Passivrauchen etc.)

Ist Krebs aufgrund von Passivrauchen in der Gastronomie eine Berufskrankheit? Gibt es hier Anerkennungen?

Das Passivrauchen (in der Gastronomie) ist in der österreichischen Liste der Berufskrankheiten nicht enthalten. Eine Meldung als Berufskrankheit und eine Anerkennung sind jedoch nach der sogenannten "Generalklausel" (§ 177 Abs 2 ASVG) möglich. Bisher gibt es in Österreich keinen anerkannten Fall von Lungenkrebs aufgrund von Passivrauchen.